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Max Clouth und seine Gitarre. Foto: Andreas Barnowsky
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Max Clouth und seine Gitarre.

Jazz & Gitarre

Max Clouth „Lucifer Drowning“: Licht aus dem Osten

  • vonHans-Jürgen Linke
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Max Clouths Album „Lucifer Drowning in a Sea of Light“ und seine ambivalente Gitarre.

Wer war doch gleich dieser Luzifer? Morgenstern und Träger des Lichts oder auch – wie in der christlich gefärbten Mythologie – der gefallene Engel, gar der Satan? Zumindest ist er ein ambivalentes Wesen. Max Clouth lässt ihn im Titel seines neuen Albums in einem Meer von Licht ertrinken. Das erscheint eine mythologisch angemessene Art der Erlösung.

Max Clouth spielt eine Gitarre mit zwei Hälsen, was spektakulär aussieht. Das ist aber nicht der Grund, warum er sich ein so kompliziertes Instrument hat bauen lassen. Der Grund ist vor allem der, dass Max Clouth ein Instrument bevorzugt, das seiner Vermittlerposition zwischen (mindestens) zwei Musikkulturen gewachsen ist. Die Gitarre repräsentiert einerseits die elektrische und elektronische Jazz- und Fusion- und Blues-Abteilung, in der Max Clouth sich zu Hause fühlt, andererseits und zugleich die indische Musik mit ihren feinen Tonhöhenunterschieden, ihren beharrlichen Bordunklängen, mitschwingenden Resonanz-Saiten und ihrem epischen Zeitgefühl, in der er genauso heimisch ist. So muss er sich nicht ein anderes Instrument umhängen, wenn er zwischen den Klangwelten wechselt.

Das Geräusch einer Platte

Das Album:

Max Clouth, Kabuki, Sophie-Justine Herr: Lucifer Drowning in a Sea of Light. Neuklang / Bauer Studios.

Sein Album repräsentiert diese zwei Musikwelten nicht als getrennte, die man aufeinander folgen lässt, sondern als zwei Kulturen, die sich verbinden, vermischen und tendenziell vereinigen. Dass es dennoch als zweiteiliges Album konzipiert ist, entspricht eher der Aufteilung zwischen Trio und Solo und ist auch eine lustige Maßnahme: Nach dem dritten Stück des „Part 1“ hört man etwas wie das Geräusch einer Langspielplatten-Seite, die zu Ende ist. Die Älteren und natürlich die jungen Vinyl-Anhängerinnen wissen dann, dass jetzt die Platte umgedreht werden muss. Die CD erspart die Arbeit aber, es geht gleich mit Part 2 weiter.

Part 1 ist eine dreiteilige Suite, die als Duo (Gitarre-Synthesizer) beginnt und sich zur Trio-Aufnahme erweitert. Man hört in dem Eröffnungs-Stück „The Eternal Now“ ein warmes melodisches Gebilde, das Synthesizer (Jan Hennig aka Kabuki) und elektrische Gitarre zusammen entfalten. Elektronische Effekte werden sparsam eingesetzt, im Zentrum der musikalischen Aktion steht die melodische Entwicklung und eine feinsinnige, gelegentlich leicht exotisch flirrende Klanggebung. Im zweiten Stück kommt Sophie-Justine Herr am Barock-Cello dazu.

Die Musik ist melodisch und changiert dabei zwischen unterschiedlichen Tonskalen; sie hat einen weiten Horizont, ist mit Stilzitaten angereichert, wirkt aber insgesamt nicht, als würde hier jemand mit Nachdruck fernöstliche Muster und Färbungen in seinen Jazz integrieren, sondern als solle hier die Trennung zwischen Musikkulturen eben nicht thematisiert, sondern eher unterlaufen werden.

Part 2, also gewissermaßen die B-Seite, bringt vier Stücke für Gitarre solo. Jedes für sich repräsentiert einen kurzen Raga, im Sinne einer indischen Musik-Kultur an den Stimmungen der Tageszeiten orientiert und in der Folge Sonnengaufgang – Mittag – Sonnenuntergang – Mitternacht zu einer kreisförmigen Suite angeordnet. Max Clouth spielt diesen vierfachen Raga auf seiner ambivalenten Gitarre. Er kommt ohne die Trommelsprache der Tabla aus und fühlt sich für die Rhythmik selbst verantwortlich. Sein Weg der Integration zweier Musikkulturen findet nicht auf der unmittelbar ins Ohr gehenden Oberfläche der Musik statt, sondern in Konsequenz einer formalen Gestaltung in einer subtileren Region darunter.

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