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Album

Matthew E. White: „Broken Mirror“ – Chamäleonartig

  • VonStefan Michalzik
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Matthew E. White und Lonnie Holley haben sich für ein brodelndes Album zusammengetan.

Bekannt geworden ist Matthew E. White mit einem sanften Songwriter-Soulpop. Seine warme, baritonal grundierte und immer wieder in ein zartes Falsett getriebene Stimme ist umgeben von einer schon beinahe easy-listening-haften Flauschigkeit mit üppigen Arrangements, Wurzeln in Gospel, Jazz und Blues sind zu erkennen.

Nun hat der weiße Sänger, Songschreiber und Produzent aus Richmond im Bundesstaat Virginia erstmals mit dem afroamerikanischen Künstler und Musiker Lonnie Holley zusammengearbeitet. Der Sound auf dem gemeinsamen Album „Broken Mirror: A Selfie Reflection“ klingt völlig anders als auf Whites beiden Soloalben – „Big Inner“ (2012) und „Fresh Blood“ (2015). Bei Holleys Studiotermin lagen die Instrumentalaufnahmen bereits vor. Für sein drittes Album hatte Matthew E. White eine neue Arbeitsweise des Songwritings ausprobieren wollen. Er holte sieben befreundete Musiker in sein Spacebomb-Studio (so heißt auch seine eigene Plattenfirma) und spielte mit ihnen eine Reihe von Kompositionen, bei dem die Improvisation eine große Rolle spielte, mit einer vierköpfigen Rhythmusgruppe im Zentrum. Das Projekt scheiterte, die Instrumentalspuren blieben fürs Erste liegen.

In Lonnie Holley hat Matthew E. White einen grandiosen Sänger für fünf der Kompositionen gefunden. Nach vier Stunden Studiozeit waren die Gesangsaufnahmen fertiggestellt. Holleys Texte basieren auf dem Stream-of-Consciousness-Verfahren; in einer nachgerade klassischen Art sind sie von afroamerikanischen und bürgerrechtsbewegungsorientierten Motiven wie Trauer und Wut, Selbstbewusstsein und Kampfgeist geprägt. 2012 hatte Holley, ursprünglich Skulpturenkünstler das erste seiner bislang vier Alben veröffentlicht, mit 62 Jahren.

Das Album

Matthew E. White & Lonnie Holley: Broken Mirror: A Selfie Reflection. Spacebomb/Secretly/Cargo.

Brodelndes Gebräu

Die Musik auf ,,Broken Mirror...“ ist kantig und geschmeidig in einem: Ein brodelndes Improgebräu mit krautrockartigen Zügen und mächtig Funkyness von der experimentellen Sorte. Gil Scott-Heron mit seinem Protorap, das Sun Ra Arkestra sowie die Krautrockband Can sind die wichtigsten Paten. Wummernde Bassbeats und eine psychedelische Orgel prägen den Titelsong, Synthiesounds und Perkussion in minimalistischer Repetition „I’m Not Tripping/Composition 8“. Die Musik bezieht sich auf den Afrofuturismus, besonders ausgeprägt lehnt sich der Rhythmus in „I Cried Space Dust/Composition 12“ an afrikanische Trommelmusik an. Bei dem Sprechgesang von Lonnie Holley handelt es sich nicht um Rap im engeren Sinne, sein Bariton mutet an wie der eines Soul-Altmeisters.

Beinahe chamäleonartig schon bringt der einstige Indierockmusiker Matthew E. White, der zeitweilig auch eine Avantgarde-Jazz-Bigband geleitet hat, Soundkonzepte hervor. 2017 hatte er zusammen mit der jungen britischen Popsängerin Flo Morrissey das großartige Album „Gentlewoman, Ruby Man“ aufgenommen. Den Anstoß hatte ein gemeinsamer Auftritt zu Ehren von Lee Hazlewood in London gegeben; Hazlewoods Duette mit Nancy Sinatra sind zwar als Vorbild zu erkennen, doch ist das Konzept weniger auf die Rolle der weiblichen „Muse“ ausgerichtet.

Einendes Element von Whites Musik ist eine tiefe Beseeltheit, gleich ob es um den großen Popentwurf geht oder, wie im vorliegenden Fall, um einen, nennen wir es: Impro-Soul.

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