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Masha Qrella.
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Masha Qrella.

Masha Qrella & Thomas Brasch

Masha Qrella „Woanders“: Abschied von morgen

  • VonStefan Michalzik
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Masha Qrella verwandelt auf ihrem Album „Woanders“ die Lyrik von Thomas Brasch in veritable Popsongs.

Um die tausend Seiten umfasst das – unbedingt der Wiederentdeckung werte – lyrische Werk von Thomas Brasch, entstanden über knapp vier Jahrzehnte hinweg. Auf ihrem Album „Woanders“ ist es der Berliner Musikerin Masha Qrella gelungen, aus den Gedichten des 2001 mit nur 56 Jahren verstorbenen Schriftstellers veritable Popsongs zu machen. „Wie soll ich dir das beschreiben?/Ich kann nicht tanzen. Ich warte nur/In einem Saal aus Stille/Hier treiben Geister ihren Tanz gegen die Uhr“, heißt es in „Geister“. Die traumwandlerische musikalische Leichtigkeit des Songs hier erinnert an die von Housebeats geprägten Songs des Berliner Duos Zweiraumwohnung. Mitnichten geht es um Unbeschwertheit, musikalisch eingängig indes sind die 17 Songs sämtlich.

Auf Thomas Braschs Lyrik aufmerksam wurde Masha Qrella über den 2012 erschienenen Roman „Ab jetzt ist Ruhe“, in dem Braschs Schwester Marion die Geschichte der Familie im Spannungsfeld zwischen Ost und West literarisch aufgearbeitet hat. Eine Familiengeschichte aus der Führungsschicht der DDR. ,,Ich erwachte wie aus einer Amnesie“, sagt Qrella, ,,das war auch meine Geschichte, meine Perspektive und meine Vergangenheit, die ich jahrelang ausgeblendet hatte. Ich hatte ja sogar meinen Namen geändert, um nicht auf meine Ost-identität reduziert zu werden.“ Die Väter von Brasch und Qrella, Jahrgang 1975, kannten sich, sie waren beide hochrangige Kulturfunktionäre.

Der Songzyklus wurde 2019 als Konzertperformance am Berliner HAU – Hebbel am Ufer uraufgeführt. In den neunziger Jahren war Qrella mit den Bands Contriva und Mina eine zentrale Protagonistin der Berliner Postrockszene, 2002 veröffentlichte sie ihr erstes Soloalbum.

Das Album:

Masha Qrella: Woanders. Staatsakt/Bertus.

,,Abschied von morgen/Ankunft gestern/Das ist der deutsche Traum“: Braschs Texte, für sich schon ausgeprägt rhythmisch, bringen das Existenzielle und das Politische zusammen. In der DDR war er Dissident, 1976 gehörte er zu den Unterzeichnern der Resolution gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann, woraufhin er mit einem Publikationsverbot belegt wurde. Nach seinem Wechsel in den Westen Berlins war er ein gefeierter Autor, nicht zuletzt sind seine Stücke auf dem Theater viel gespielt worden. Nach dem Mauerfall hat er beinahe zehn Jahre lang, bis kurz vor seinem Tod, künstlerisch geschwiegen.

Dazu eine gleißende Gitarre

Den Texten ist ein Grundzug von Melancholie eigen, den die Musik mit Mitteln vom Postrock bis hin zu Anklängen von Industrial häufig milde konterkariert. Manche Songs, etwa „Maschinen“, vorgetragen im Duett mit Andreas Spechtl von der Band Ja, Panik, basieren auf Housebeats, in „Strand“ in Einheit mit einer gleißend crescendierenden E-Gitarre. „Ratten“ ist eine wunderschöne Folktronica-Ballade. Das abschließende „Nacht“, arrangiert mit Synthiestreichern, erinnert in einer eigenen Art an Hildegard Knef. Dirk von Lowtzow von Tocotronic singt im Duett mit Qrella in „Meer“; in „Märchen“ tritt Marion Brasch als Rezitatorin auf.

Einer Aussage der Schauspielerin und Regisseurin Katharina Thalbach zufolge, die über drei Jahrzehnte lang mit ihm zusammenlebte, soll Thomas Brasch immer davon geträumt haben, dass seine Texte vertont werden. Ein glücklicherer Fall als Masha Qrella, die Brasch im Übrigen zuschreibt, er sei der „David Bowie der deutschen Lyrik“, hätte sich dafür kaum finden können.

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