+
Klarinettist Martin Fröst mit Vogelmaske beim HR-Sinfoniekonzert in der Alten Oper Frankfurt.

Alte Oper

Was der Pfau erzählt

  • schließen

Der Klarinettist und „Principal Guest Artist“ Martin Fröst stellt sich in Frankfurt beim HR-Sinfoniekonzert vor.

Es war das Einstandskonzert Martin Frösts beim HR-Sinfonieorchester, wo der Klarinettenvirtuose in der kommenden Zeit „Principal Guest Artist“ sein wird. Dass der 49-Jährige auch über theatrale Fähigkeiten verfügt, bewies das jüngste Werk des Abends im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt, Anders Hillborgs Klarinettenkonzert „Peacock Tales“ (1998) in einer „Millenniums-Version“, die etwas kürzer als die ursprüngliche ist. Eine die Klarinette in halsbrecherischer Beweglichkeit präsentierende Arbeit des 65-jährigen komponierenden Landsmanns Frösts: harmonisch gründend, gleichwohl aber auch gewagtere Klangexpeditionen andeutend.

Viel Obertonspannung hatte die Solo-Stimme zu entladen, während das Tutti des HR-Sinfonieorchesters nicht sonderlich viel, wenngleich nicht ganz Belangloses für den Zusammenhang beizusteuern hatte.

Solist mit Vogelmaske

Auffällig war die Ausweitung der ästhetischen Mittel auf Geste und Licht, denn die Saal- und Podiumsbeleuchtung ging manchmal bis auf den Nullpunkt zurück. Teilweise wurde das Podium in blaues oder rotes Licht getaucht, derweil der Solist sich eine Vogelmaske übergestülpt hatte und diverse Körperbewegungen vollzog. Denn das Stück will ja „Erzählungen eines Pfaus“ darstellen und so ließ sich der pseudo-schamanistische Ersteindruck schnell naturalistisch-faunisch richtigstellen.

Zuvor hatte Fröst ganz ohne karnevaleske Kostümierung Claude Debussys 1. Rhapsodie für Orchester und Solo-Klarinette gegeben. Eine gefälligere Variante von „L’Après-midi d’un faune“, wobei sowohl der Solist als auch der Dirigent des Abend, Carlos Miguel Prieto, der Tendenz zu einer glatten und weichgezeichneten Oberfläche nicht nachgaben.

Das Zusammenspiel war exzellent und Prieto zeigte dabei seine Fähigkeit, Subtilität genauso pointiert einsetzen zu können wie rabiate, nerven- und muskelstarke Diktion. Die hatte nämlich weite Strecken von Dmitrij Schostakowitschs Suite aus der Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ bestimmt. Ein fast halbstündiger Zusammenschnitt wichtiger Klangszenerien des in den frühen 30er-Jahren der Sowjetunion entstandenen Werks. Schostakowitsch erwies sich einmal mehr als der George Grosz der Musik, der seinen Klang-Brutalismus der Impertinenz der herrschenden Milieus angedeihen lässt.

Ungemein hart und rasend wurde der vertonte Stumpfsinn vermittelt, und dann der Weg der Lady in die Verbannung als dunkel-pathetische Apotheose zum Strahlen gebracht. Ohne emotional-dramaturgische Agenda zuletzt Peter Tschaikowskys 4. Sinfonie, die Prieto und seine Musiker als reine Sinfonik boten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion