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Marlis Petersen mit Stephan Matthias Lademann. Foto: Yiorgos Mavropoulos
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Marlis Petersen mit Stephan Matthias Lademann.

„Innenwelt“

Marlis Petersen in Frankfurt: Von den Nuancen der Nacht

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Marlis Petersen singt im Stream-Konzert der Oper Frankfurt ihr „Innenwelt“-Programm.

Marlis Petersen – die große Lulu, in Frankfurt die lustige Witwe, zuletzt eine umwerfende Marschallin in Barrie Koskys (vorerst gestreamter) „Rosenkavalier“-Inszenierung – ist als Liedsängerin mindestens so eigenwillig wie als Bühnendarstellerin. Das zeigt sich nicht nur in der Interpretation der einzelnen Lieder, die in einer aufregenden Gratwanderung zwischen kontrollierter Exaltiertheit und der hier auf die Spitze getriebenen Kunst der Schlichtheit besteht. Es zeigt sich auch in den Programmen, die Petersen aus naheliegenden und entlegenen Nummern zusammenstellt.

Nicht scharfe Kontraste, sondern unerwartete Stimmigkeiten sind das Thema in dem Liedprogramm „Innenwelt“, das als Album 2019 nach „Welt“ und „Anderswelt“ die „Dimensionen“-Trilogie abschloss (in der Box findet sich außerdem die Bonus-CD „Neue Welt“). Stephan Matthias Lademann begleitet sie auch im Videokonzert der Oper Frankfurt am Klavier, und im spätromantischen Programm stehen Raritäten von Karl Weigl, Hans Sommer und Richard Rössler neben großen Nummern von Richard Strauss, Hugo Wolf und schließlich Gustav Mahler. Dessen „Urlicht“ umklammert das Konzert, indem ganz am Anfang schon stillschweigend einige Klaviertöne daraus zu hören sind. Dem intensivsten Lied diese Position zu geben, demonstriert ebenso Petersens Intuition wie die sichere Wahl der Brahms-Lieder („Nachtwandler“, „Der Tod, das ist die kühle Nacht“).

Den „Nuancen der Nacht“ gehört der erste Abschnitt „Nacht und Träume“, den „versteckten Gefühlen“ der zweite mit dem Titel „Bewegung im Inneren“, der im dritten ins Französische übersetzt wird, „Mouvement intérieur“ – mit schwerelos traurigen Nummern von Reynaldo Hahn, Henri Duparc, Gabriel Fauré. Am Schluss dann „Erlösung und Heimkehr“. Petersen hat dafür vier Kleider ausgesucht, aber das ist keine Gala. In ihren Anmoderationen wird deutlich, dass sie Charme und die ihr auf der Bühne so eigene Beweglichkeit mit großem Ernst für die inneren Dinge verbindet.

Die Kunst der Schlichtheit: eine natürliche Artikulation, eine sehr gute Textverständlichkeit, eine Unmittelbarkeit des Ausdrucks. Keine Pose, keine spürbare Anstrengung ihres Schärfen nicht meidenden, aber auch nicht benötigenden Soprans, nichts stellt sich zwischen die Künstlerin und die Musik. Mit Lademann ist sie so vertraut, dass es kaum demonstriert werden muss. Auch das Partnerschaftliche von Stimme und Klavier ist überdurchschnittlich. Als Zugabe dann einmal Richard Wagner, „Träume“. Einem Publikum hätte das noch nicht gereicht. Andererseits auch schön, diese Stille danach.

Das Video bleibt via www.oper-frankfurt.de abrufbar.

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