Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rheingau Musik Festival

„Marienvesper“ in Kloster Eberbach: Verehrung und Passion

  • VonBernhard Uske
    schließen

Der Brite Roland Wilson findet beim Rheingau Musik Festival einen eleganten Weg durch Monteverdis „Marienvesper“.

Ein liturgisches Konzert gaben die Ensembles Capella Ducale und Musica Fiata unter der Leitung Roland Wilsons beim Rheingau Musik Festival. Claudio Monteverdis Marienvesper stand auf dem Programm in der einst der Maria Immaculata geweihten Basilika von Kloster Eberbach am Tag des Hochfests der „Aufnahme der seligen Jungfrau Maria“ (Assumptio Beatae Mariae Virginis). Umgangssprachlich und volksfromm heißt es „Mariä Himmelfahrt“.

Eine gesungene Gebetsfolge, bei der der Komponist eine Mischung aus Psalmenvertonung und vier Concerti schuf, die einen passionierteren Ton der erotischen Verehrung ins Spiel bringen. Konservativ und freisinniger artikuliert zugleich. Unter dem Dach eines Klangraums uraufgeführt, der keine 50 Jahre älter ist als die Eberbach-Basilika. Die Rede ist von San Marco in Venedig, nur dass das romanische Tonnengewölbe im Rheingau-Tal gegenüber der byzantinischen, fünfkuppeligen Anlage mit ihren zahllosen Emporen und Seitenkapellen am Lagune-Anleger die Mehrchörigkeit der venezianischen Musik nicht ganz trifft. Dennoch erlebte man jetzt eine schöne Mischung aus dichter akkordischer Polyphonie und der vom Kirchenschiff getragenen Vokal-Figuralität der Solo-Concerti.

1950 erst ist das Dogma von der „Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel“ von Papst Pius XII. verkündet worden und hat dem seit dem 6. Jahrhundert in der orthodoxen wie in der römisch-katholischen Kirche begangenen Fest zu glaubensverbindlicher Finalität verholfen. Fünfmal erklingt bei Monteverdi die „Trinitarische Doxologie“ – jenes jedem Kirch- und Konzertgänger vertraute „Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto...“. Und jedesmal wurde die Größe Monteverdis hörbar in der Art wie er, der jeweiligen Psalmengestalt gemäß, die Klangform der immergleichen Ewigkeitsformel veränderte. Genauso in der Litanei „della beatae virginis“ die endlos wirkende Aufzählung der Attribute und Eigenschaften der Gottesmutter.

Hier glänzte das von Wilson 1976 gegründete Instrumental- und das 1992 gegründete Vokalensemble mit besonderer Intensität. Ein nicht manieristischer Gesang der zwei Frauen und sechs Männer, mit dem eine gleitende, eher dezente Instrumentalführung korrespondierte, machte aus dem Spagat zwischen liturgischer Strenge und affektiver, auch illustrativer Gestalt ein rundes Ganzes. Auch die zum Teil von Zeitgenossen Monteverdis beigesteuerten Concerti waren darin integriert: Pasticcio. So heißt das Gericht, in dem heterogene Zutaten schmackhaft verbacken sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare