Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Warren Ellis und Marianne Faithfull.
+
Warren Ellis und Marianne Faithfull.

Album

Marianne Faithfull: „She Walks In Beauty“ – Der Dichtung den Vortritt

  • VonStefan Michalzik
    schließen

Gewagt, aber geglückt: „She Walks In Beauty“, ein Rezitationsalbum von Marianne Faithfull und Warren Ellis.

Sie hat die sechziger Jahre überlebt, eine Heroinabhängigkeit und schließlich im vergangenen Jahr eine schwere Covid-Infektion. Mit dem Singen ist es für Marianne Faithfull zumindest vorläufig nichts mehr, und sie hat angekündigt, dass dieses Album womöglich ihr letztes sei. Auf „She Walks In Beauty“ rezitiert die 74-jährige britische Popsängerin und Schauspielerin, die seit langem in Paris lebt, Gedichte von Poeten der englischen Romantik wie Lord Byron, Thomas Hood, John Keats und Percy Bysshe Shelley. Aufgenommen hat sie das Album zusammen mit dem australischen Multiinstrumentalisten Warren Ellis, der – seit einer halben Ewigkeit Mitglied von Nick Caves The Bad Seeds – schon Produzent von Faithfulls vorhergehendem Album war, dem großartigen „Negative Capability“ (2018).

Faithfull und Ellis gelingt es, die Spannung zu halten und dabei ganz die Sprache wirken zu lassen. Kein Beiwerk drängt sich auf, zugleich dient sich die Musik der Sprache nicht an. Schlicht und klassisch trägt Marianne Faithfull die Gedichte vor, nach romantischer Manier geht es um den Tod und die Liebe. Ihre schon seit jungen Jahren charakteristisch brüchige Altstimme klingt nach wie vor fest, auch wenn sie rauer geworden ist und man ihr das Älterwerden anhört. Der Vortrag gehorcht dem Primat der rhythmisch-klanglichen Qualität der Texte – Faithfull zeigt sich hier als Schauspielerin vom alten Schlag. Von Manierismen hält sie sich fern.

Die Beschäftigung mit Dichtung spielt bereits lange eine Rolle im Schaffen von Marianne Faithfull. Bereits auf „Broken English“ (1979), ihrem grandiosen Comeback nach einer überwundenen Drogensucht samt Wohnsitzlosigkeit, basierte der Song „Why D’ya Do It?“ auf einem Text des zeitgenössischen englischen Dichters Heathcote Williams. 1998 war sie die Solistin in der hervorragenden „klassischen“ Aufnahme von Brecht/Weills „The Seven Deadly Sins“ mit Dennis Russell Davies und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien, später tourte sie mit einem Programm mit Shakespeare-Sonetten.

Das Album

Marianne Faithfull / Warren Ellis: She Walks In Beauty.
BMG/Warner.

Am Anfang der Liedfolge auf „She Walks In Beauty“ zwitschern Vögel, gemäß dem romantischen Programm einer Lobpreisung der Schönheiten der Natur im Angesicht der Industrialisierung. Nick Cave klimpert ein wenig am Klavier, die Soundcollagen, wie beispielsweise das Vogelgezwitscher, hat Brian Eno gefertigt.

So etwas kann schiefgehen

Hörte man die nicht zuletzt auch von Synthesizern geprägten Instrumentalspuren ohne die Stimme Faithfulls, würde man sie unter „New Age“ einordnen. Das Urteil für diese Klanglandschaften – das ist das altmodische Wort, das einem dafür einfallen kann – würde vermutlich nicht besonders vorteilhaft ausfallen. Schon für die Mitwirkung an Nick Caves sülzigem Album „Ghosteen“ (2019) hat Warren Ellis Häme auf sich gezogen.

Doch in der Einheit mit Marianne Faithfulls Stimme macht sich Ellis’ Musik vortrefflich. Das ist, sagen wir: sehr gewagt. Aber auch wirkungsvoll und geglückt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare