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Maria Bengtsson (Sopran) Sarah Tysman (Klavier) im Frankfurter Opernhaus.  

Liederabend

Maria Bengtsson und Sarah Tysman in der Oper Frankfurt: Die perfekten Verkünderinnen

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Maria Bengtsson und Pianistin Sarah Tysman bei Liederabend in der Frankfurter Oper.

Lyrisch als Qualifizierung einer Stimme ist keine Garantie, dass eine Einheit von Vokalität und Lied entsteht. Wie eine lyrische Stimme die je spezifische lyrische Wort-Ton-Einheit des Lieds verwirklicht – das ist die entscheidende Frage. Insofern war die Ankündigung des „lyrischen Soprans“ von Maria Bengtsson für den Liederabend der Frankfurter Oper zwar die notwendige, aber noch lange nicht hinreichende Bedingung für die treffliche Realisierung von Liedern, die von Komponisten der skandinavischen Heimat der 1975 geborenen Schwedin zu Liedern deutscher Komponisten führte.

Im ersten Moment, als furios und mit vokaler Vehemenz die Sängerin mit einem Lied ihres Landsmanns Ture Rangström einsetzte, mochte man meinen, es eher mit einem dramatischen Sopran zu tun zu haben. So zerklüftet und aufgewühlt vermittelte sich „Nächtliche Flügel“.

Aber schon das folgende „Nachtgebet“ sowie drei weitere Werke des 1884 geborenen und 1947 verstorbenen einstigen Pfitzner-Schülers zeigten Bengtsson in einer Fassung, die höchste Differenz bis in kleinste Klangbewegungen hinein mit einem zwar leichten, aber nicht luftigen oder beiher spielenden Ton zu realisieren vermochte. Eine heitere Ernsthaftigkeit, ein Gewicht ohne Schwere hatte die Stimme, die registerbruchlos und in verschieden weit und eng geführter vokaler Offenheit erschien. Ziseliertes genauso sicher und eben auch wirklich klein und doch profiliert gebend. Und die gerundeten, weichen Linien in Liedern von Jean Sibelius und bei Edvard Grieg dann entschiedener und voller tönend.

Begleitet wurde Bengtsson von Sarah Tysman, einer Pianistin, die eine Professur für Gesangsrepertoire an der Berliner Universität der Künste bekleidet. Man verstand, warum Philippe Jordan die französische Pianistin als Studienleiterin an die Wiener Staatsoper geholt hat: eine jeden Moment auf die Sängerin passende Aufmerksamkeit war der Begleiterin eigen und dabei ein ungemein ausdrucksstarkes Spiel, das nicht affektiv, sondern gestaltbildend wirkte.

Das kam für deutsche Ohren besonders plastisch bei den Liedern Franz Schuberts und Richard Straussens zur Geltung, wo die Klangmetaphorik des Wieners, aber auch der Klang-Naturalismus des Münchners mit seinen Assoziationen und Illustrationen eine eigene, den Vokalvortrag bereichernde und eben nicht nur stützende und färbende Funktion hatte. Hier, bei Schuberts „Die junge Nonne“, „Schwestergruß“ und „Auflösung“, erreichte der Abend seinen Höhepunkt in verinnerlichter, ja religiös gefasster Haltung. Die profanen Antworten von Strauss, die ihre Alltagsverklärung und Durchschnittsverzauberung („O du liebes Einerlei,/ Wie wird aus dir so mancherlei“) auf überwältigende Weise entfalten, erhielten in den vokalen und instrumentalen Stimmen der beiden perfekten Strauss-Verkünderinnen eine fast magische, jedenfalls hinreißende Weihe.

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