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Maria Baptist: Alles hat hier seine Richtigkeit

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Von: Stefan Michalzik

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Maria Baptist, Pianistin und Komponistin, mit Quintett bei Jazz im Palmengarten.

Der Starruhm ist Maria Baptist versagt geblieben, in Kennerkreisen indes genießt die Musikerin mit Professur für Komposition/Arrangement, Tonsatz und Improvisation an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in ihrer Heimatstadt Berlin große Anerkennung. Für Jazzorchester schreibt sie einen Großteil ihrer Musik, in Berlin leitet sie ein eigenes; zugleich tritt sie in Besetzungen vom Piano solo bis zum Quintett in Erscheinung. Häufig bricht sie ursprünglich für Orchester geschriebene Arrangements auf kammermusikalische Besetzungen herunter.

Ohne Frage schwingt das Wissen um diesen Hintergrund mit, wenn man meint, das an der Musik dieses Abends ablesen zu können. Baptist ist mit ihrem Quintett, durchweg mit Mitgliedern ihres Orchesters besetzt, zu Gast in der von der Frankfurter Jazzinitiative ausgerichteten Reihe Jazz im Palmengarten. So überbordend wie klar und überschaubar sind die Kompositionen in ihrer Manniggestaltigkeit, in ihren Brüchen und Wechseln von Tempo und Stimmung.

Keith Jarretts Einfluss

In enzyklopädischer Weise bewegt sich diese zeitlose Musik im modernen Mainstream. Ungeheuer historisch belesen ist sie, in der Verarbeitung der modernen Jazztradition hat Maria Baptist aber zu einem eigenen Stil gefunden, mit der großen Orchesterleiterin und Komponistin Maria Schneider, bei der sie in New York gelernt hat, als Patin. Am Spiel auf dem Klavier ist der gleichsam unumgängliche Einfluss durch Keith Jarrett abzulesen, der für das Instrument im Jazz der vergangenen Jahrzehnte prägend war. In verhalten rhapsodischen Momenten wie auch in einer heiteren Freiheit. Und natürlich geht auch das multiidiomatische klavierhistorische Bewusstsein auf Keith Jarrett zurück, von Bud Powell über Lennie Tristano bis Bill Evans und mal auch zur perkussiven „Pranke“ eines Cecil Taylor.

Sie lässt ihnen Raum

In erster Linie ist die Komponistin Maria Baptist eine Ensembledenkerin, gleichzeitig lässt sie Raum für solistische Improvisation. Wie genau nun das Verhältnis zwischen kompositorischer Festlegung und tatsächlicher improvisatorischer Findung des Moments austariert ist, ist allerdings schwer auszumachen. Der Altsaxofonist Jan von Klewitz mit seinem expressiven Spiel ist der herausgehobene Solist neben der Leaderin selbst; der nicht minder großartige Richard Maegraith an Tenorsaxofon und Bassklarinette steht dahinter eher zurück. Reibung ist nicht das Thema, eher intime Zwiesprachen, von Fall zu Fall auch mit dem Bassisten Fabian Timm und Heinz Lichius am Schlagzeug,

Dynamisch ist das enorm ausdifferenziert, bis hin zu einer Szene des äußersten Pianissimos und auf der anderen Seite zum Schluss hin einem zum Mitwippen anregenden Souljazzgroove und auf dem Klavier nun einer Affinität zu Horace Silver.

Maria Baptist, ihr 51. Geburtstag steht kurz bevor, ist eine brillante Stilistin, alles wirkt gerundet, im glücklichsten Sinn, alles hat seine Richtigkeit.

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