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Manu Katché im Palmengarten: Der freundliche Mann aus Paris

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Von: Stefan Michalzik

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Manu Katche. Foto: Arno Lam
Manu Katche. Foto: Arno Lam © ©Arno LAM Photography +33 6 81 41 45 19 info@arnolam.com

Schlagzeuger Manu Katché im Frankfurter Palmengarten.

Das Spiel des pop/jazz-hybriden afrofranzösischen Schlagzeugers Manu Katché ist geschmeidig, lässig überlegen, den Auftritt sucht er ungeachtet seiner Präsenz nicht. Zentral vorne (und nicht wie üblich im Hintergrund) ist sein Instrument zum Konzert im Frankfurter Palmengarten positioniert – gewissermaßen entgegen der Rolle des Komponisten und Leaders, die er in seinem Quartett spielt.

Mit seinem charakteristischen Spiel hat Manu Katché eine Unzahl von Rock- und Popalben mitgeprägt, seit ihn Peter Gabriel für sein Erfolgsalbum „So“ (1986) – inklusive Gabriels Signaturhit „Sledgehammer“ – entdeckt hat. Es folgte Stings „Nothing Like the Sun“, später Tori Amos, Dire Straits, Simple Minds … undundund. Im Jazzkontext spielte er unter anderem längere Zeit in den Ensembles von Jan Garbarek und John Abercrombie; sein (sehr poppiges) Leaderdebüt, „It’s About Time“ (1991), legte er erst relativ spät vor.

Freundlich ist Manu Katchés Musik im Übermaß, der Mann für Waghalsigkeiten ist er nicht. Im Zentrum stehen an diesem Open-Air-Abend vor allem die Nummern von seinem jüngsten Album „The Scope“ (2019), das mit seinen Bemühungen um Modernität im Konventionellen mit Mitteln wie Dub und der vom French House bekannten Filter-Technik missraten ist.

Das Konzert beginnt nicht übel. Gleich zu Beginn ein Sound, der gleichermaßen an Miles Davis in seiner „elektrischen“ Phase um 1970 herum wie auch an Deodatos Synthiefassung von Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“-Fanfare erinnert. Der Fusionjazz gibt für den ersten Teil die Richtung vor; das abgesehen von Katché, Jahrgang 1958, eher jung besetzte Quartett um Patrick Manouguian an der Gitarre, den Bassisten Jérôme Regard sowie Jim Henderson, Keyboards, Fender Rhodes Piano und Programming, musizierte animiert und frisch.

Von einem bestimmten Punkt an allerdings franste der Abend aus. Zuhauf Unerfreulichkeiten: zum Grausen seichter Souljazz, obendrein noch mehrfach Zuspielungen unter anderem mit den Stimmen der Gastrapper und der Gastsängerin auf einzelnen Nummern von „The Scope“. Schließlich eine überflüssige chorische Übung mit dem Publikum – und natürlich muss dann auch noch ein zünftig-ausführliches Schlagzeugsolo sein, Marke: wie man es halt so macht.

Vom Rock- und Poptourzirkus hat sich Manu Katché irgendwann zurückgezogen. Er habe, hat er dazu gesagt, kein Problem damit, hin und wieder mit einem elektronischen Metronom zu spielen. „Aber wenn alles darauf ausgerichtet ist, einer Bühnen-Choreografie zuzuspielen, geht das auf Kosten der Musikalität.“ Weise Worte. Weshalb aber muss der freundliche Mann aus Paris dann zum Teil austauschbare Standardware produzieren?

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