1. Startseite
  2. Kultur
  3. Musik

Mahlers Vierte: Richtung Ewigkeit

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Judith von Sternburg

Kommentare

Gustav Mahler
Gustav Mahler. ©  Imago

Das Frankfurter Museumskonzert mit Kateryna Kasper und Mahlers Vierter.

Gustav-Mahler-Sinfonien wird man mit etwas Pech und schlechter Planung ungefähr zwei Jahre lang nicht mehr im Konzertsaal gehört haben (stattdessen oft die Kammerversion des „Lieds von der Erde“). Jetzt aber ist es wieder so weit. Beim Museumskonzert in der Alten Oper Frankfurt stand die 4. Sinfonie im Zentrum, ein besonders flirrendes, verrücktes, dabei zugleich unergründlich Richtung Ewigkeit hinfließendes Werk, bei dem das großbesetzte Orchester nicht so häufig ganz aus sich herausgeht.

Himmlische Freuden

Größe, die sich zu beherrschen weiß, erzeugt umso mehr Spannung, und die für den zwischenzeitlich covidinfizierten GMD Sebastian Weigle eingesprungene Dirigentin Katharina Wincor arbeitete das Disparate und zart Bizarre auch überzeugend heraus. Das Sopran-Solo übernahm Kateryna Kasper von der Oper Frankfurt, deren silbriger Sopran bezaubernd war, um die unerwartet profanen Himmlischen Freuden in diesem sonderbarsten aller Sinfonieschlusssätze zu vermitteln.

Mahler selbst, wie das Programmheft belegt, dirigierte seine Sinfonie bei einem Konzert der Museumsgesellschaft „im großen Saale des Saalbaues“ im Januar 1907 – damals als mittleren Programmpunkt vor Schumanns Sinfonie Nr. 1 nach der Pause: sozusagen das zeitgenössische Stück, bevor das kommt, auf das sich alle freuen.

Diesmal gab es vor der Pause eine aparte Franz-Schubert-Kombination, zweimal nämlich Orchesterfassungen von fremder Hand. Museums-Bratschist Martin Lauer hat die Fantasie für Klavier zu vier Händen f Moll für Orchester bearbeitet, was die unwiderstehlichen, sich auch unwiderstehlich oft wiederholenden Motive umso farbenreicher durch die Reihen zumal der Bläser trug. Im Anschluss vier Schubert-Lieder in Franz Liszts Orchesterfassungen. Schwierig war es dabei für Kaspers ausdifferenzierten Gesang, sich im Großen Saal den Weg zu bahnen. Die Atemlosigkeit des „Gretchens am Spinnrade“ ließ sich kaum realisieren. Fabelhaft dafür „Der Erlkönig“, mit ins Gespenstische gehenden, fast gesprochenen Passagen.

Die Ukrainerin Kasper, die in Donezk studiert hat und seit 2014 Ensemblemitglied in Frankfurt ist, sang als Zugabe mit Quartettbegleitung aus dem Orchester das patriotische und sehr traurige „Gebet für die Ukraine“, das man dieser Tage häufiger hört (einen Abend zuvor am Staatstheater Wiesbaden als Chorsatz), leider völlig zu Recht.

Auch interessant

Kommentare