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Auch ein Mann des wirbelnden Lichts?

Matthew Logan Vasquez

Der Macht-was-er-will-Mann

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Mit Jesus und Mezcal, aber ohne Sitzheizung: Matthew Logan Vasquez scheut auf seinen Solo-Alben vor nichts zurück.

Es gibt Leute dort draußen, die sich keinen Benz mit Sitzheizung anschaffen wollen. Die auf Populärruhm getrost verzichten, denen tatsächlich ein Satz à la „All this tropical weather is making me feel ill“ durch die Zähne rutscht. Stattdessen irgendwo hinter Santa Fe eine Bruchbude anmieten, Gleichgesinnte einladen, frohgemut den Mezcal entkorken. Und Instrumente aus zerschrammten Koffern heben.

Typen wie Matthew Logan Vasquez, der es vom Straßenmusikanten zum Mitglied der Americana-Combo Delta Spirit gebracht hat – sich seit wenigen Jahren jedoch dem ungezwungenen Solo-Dasein hingibt. Seine dritte Veröffentlichung unter eigenem Namen ist „Light’n up“ überschrieben und wiederum durchdrungen von Eigensinnigkeiten der mittlerweile bekannten Art. Immerhin gilt die selbst auferlegte Forderung: „Erwartungen nicht erfüllen!“

Matthew Logan Vasquez: Light’n up. Dine Alone Records / Caroline Universal Music.

Stimmlich und kompositorisch kann der 33-jährige Texaner einiges bieten. Ohne Schwierigkeiten ließe es sich gut im Fahrwasser des US-Gitarrenrocks manövrieren. Mit den flott hingepfefferten „Trailer Park“ und „Vacation“ sei es bewiesen. Aber der Multi-Instrumentalist – zu seinen Vorbildern zählen Jesus und Abraham Lincoln – will mehr und anderes sein. Was noch vor geraumer Zeit zwischen Gram Parsons und Neil Young pendelte, schlägt heute auch in Richtung Elektronik oder Tingeltangel aus.

Wo „Ball Pit“ in seinem maschinell getakteten Vorwärtsdrang sogar Erinnerungen an das Gespann Vega/Rev zulässt, dominiert in „Poor Kids“ ein John Lennon-Wiedergänger. Rührselig wird es obendrein, zuweilen ist die Taco-Soße massiv angedickt. Wer aber will es dem sensiblen Liederschmied verdenken? Schließlich musste er unlängst seine liebliche Heimat in Hays County, nahe des springlebendigen Blanco River, gegen das frostige Oslo eintauschen – um nachzufolgen der geliebten Ehefrau samt Söhnchen.

Da wandert das Sinnen naturgemäß retour, dorthin, wo die atmenden Freunde und begrabenen Helden sind. Retro regiert allenthalben in dieser popmusikalischen Gemarkung. Bei dem Hit „Ghost Writers“ sammeln sich Small Faces und Kinks an der Theke: „I’ve seen the world from the inside of a bar.“

Einen noch bunteren Strauß haben Matthew Logan Vasquez und Mitstreiter (unter anderem Kelsey Wilson, Noah Gundersen, David Ramirez) im Rahmen des AllesTolleTypen-Vorhabens Glorietta gewunden. Auf der im vorigen Jahr erschienenen Platte stellen sich Congas, Saxofone, Trompeten, Saiten und Felle in den stilistischen Dienst von Country und Blues, Rave und Wave, Walzer und Tränen.

Yeah: Jam-Rock-Zeugs wie „Heat Stroke“ funktioniert bei jedem Wetter! – Wie immer überglänzt mehrstimmiger Gesang die ganze Chose. Übrigens ist „Glorietta“ hierzulande der Name einer Kartoffelsorte – „absolut festkochend, eignet sich hervorragend für Kartoffelsalat und Bratkartoffeln“. (Berühmt wird man damit jedenfalls nicht.)

Den Höhepunkt dieses ganzen Wahnsinns markiert jedoch der erste Song auf dem 2017er Vorgänger. „Same“ ist ein Disco-Stomper, direkt durch die Zeitbarriere katapultiert. Mehr als vier Minuten pulsender Philly-Sound mit Chormädchen. Meine Güte. Ein Blick auf den damaligen Album-Titel noch, bevor sich der Verstand abmeldet: „Matthew Logan Vasquez Does What He Wants.“

Konzert: zusammen mit The Dead South am 2. April in Wiesbaden, Schlachthof.

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