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Jazz

Lyrisch-expressiv

  • VonStefan Michalzik
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Das Duo Heinz Sauer und Michael Wollny spielt sein fast schon rituell gewordenes Neujahrskonzert in der Romanfabrik.

Fünfundachtzig Jahre alt ist der Tenorsaxofonist Heinz Sauer soeben geworden, er gehörte, unter anderem an der Seite von Albert Mangelsdorff, zu jener Generation des mythisch gewordenen Jazz im Nachkriegs-Frankfurt, von der wesentliche Impulse zur Herausbildung eines eigenständigen, vom Ursprungsland Amerika unabhängigen Jazz in Europa ausgegangen sind. Wiewohl unter Kennern anerkannt als einer der Großen seines Instruments hat er seinen größten Publikumserfolg erst spät, von seinem 72. Lebensjahr an im Duo mit dem damals gerade mal 26-jährigen Pianisten Michael Wollny einheimsen können. Seit mehr als einem Jahrzehnt inzwischen gibt das altersungleiche Duo ein fast schon rituell gewordenes Neujahrskonzert in der zu diesem Anlass regelmäßig restlos ausverkauften Frankfurter Romanfabrik.

Zwei musikalische Sprachen treffen aufeinander

Die Besonderheit des Musizierens von Heinz Sauer und Michael Wollny macht es aus, dass hier zwei hochunterschiedlich individuell ausgeprägte musikalische Sprachen aufeinandertreffen. Gleich ob es sich um eigene Kompositionen oder um Anverwandlungen von Standards aus Jazz und Pop wie Thelonious Monks „Evidence“ oder die durch Sinéad O’Connor bekannt gewordene Prince-Nummer „Nothing Compares 2 U“ handelt: Die Musik ist von einer lyrischen Gespanntheit und einer vollends kitschfernen Melancholie, einer gewissen Aura des Geheimnisvollen auch. Sie steht gleichsam über den Stilen. Die lyrisch-expressive Stimme Sauers, mitunter mit Hauch belegt, lässt in einer personalstilistisch eigenschöpferischen Art das Vorbild John Coltranes erkennen; kräftig und voll ist der Ton im einen Moment, dann wieder in einer faszinierenden Art brüchig und fahl. Wollny kehrt vielfach den Charakter des Klaviers als Perkussionsinstrument hervor, er schabt Saiten mit den Händen im Korpus oder er präpariert sie, mit umgedrehten Sektgläsern unter anderem. Mal klingt durch sein Spiel die Auflösungstendenz der Spätromantik hindurch, mal die ostinat-repetitiven Gespinste Ligetis, dann auch wieder der Puls des Blues in einem Zustand der Abstraktion. Auch wenn einem dieses Nummer um Nummer sich vielgestaltig wandelnde, intime, konzentrierte und berührende, in seiner strukturellen Offenheit sich ästhetisch nach wie vor ganz weit vorne bewegende Duospiel naturgemäß wohlbekannt ist, so bleibt es doch überaus reizvoll, ohne Einschränkung. „A Certain Beauty“ hieß eines der Alben der beiden. Und ja, natürlich, es ist eine eigentümliche Schönheit, um die es bei ihrem Musizieren geht.

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