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Donna McKean und Tim Brown sind Lunchbox.
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Donna McKean und Tim Brown sind Lunchbox.

Power-Pop

Ganz ohne Zuckerschnäuzchen

  • vonOlaf Velte
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Lunchbox huldigen mit „After School Special“ dem Power-Pop im Do-it-yourself-Verfahren.

Wer dem Ausklang dieses fatalen Jahres kein Wohlwollen entlocken kann, darf hier ein Ohr riskieren. Da startet es umwerfend mit Jingle und Jangle, wird vom Bass bepluckert und schlagwerkend zugebollert. Nach 1.20 Minute endet Lied Numero Eins, nach 24.40 Minuten die ganze Platte. Elf Stücke, die zum wilden Herumzappeln verführen, zum Hände-Patschen und Hirnkasten-Schütteln.

Donna McKean und Tim Brown sind Lunchbox, ihre sechste Veröffentlichung heißt „After School Special“ – ein Album im Geiste von Power-Pop und Do-it-yourself-Ermächtigung. Immerzu im vollen Sound badend, eine klassische Melodie nach der nächsten heranreichend, sich weder Durchhänger noch Schwachheiten gönnend. Dieses emsige Harken und Wässern im quellfrischen Saatbett des harmonieseligen Uptempo-Universums dauert nun seit 25 Jahren an – verewigt in den Pflanzungen „The Magic of Sound“ und „Evolver“ und „Lunchbox Loves You“.

Natürlich lieben sie die ihnen zugewiesene Musik, lieben die geneigte Zuhörerschaft gleichermaßen: Kean und Brown sind Buddhisten, ihre Herzen groß und ohne Arg. Auf den Punkt bringt es der singende Gitarrenmann in einem Interview von 2014: „The goal of the band is to keep it simple – just fun.“ Und die ebenfalls singende Partnerin – jenseits jeder Zuckerschnäuzchen-Mentalität – zupft ein astreines Bassmotiv dazu. Sehr britisch ist das zuweilen, mitunter vom Punk-Minimalismus angestachelt, immer aber unabhängig-analog.

Tüfteleien aus Oakland

Das Album

Lunchbox: After School Special. Slumberland Records / Bertus Musikvertrieb.

Im kalifornischen Oakland – wo einst der Großschriftsteller Jack London und das Hells-Angels-Oberhaupt Sonny Barger hausten – leben, tüfteln und spielen sie. Für „After School Special“ haben sie eine kleine Schar Musiker ins lokale Mandana House und an die Instrumente gebeten: John Diaz an den Drums prägt die Aufnahmen ebenso nachhaltig wie die beiden Trompeten-Könige Gary Olson und Jeremy Goody. Deren Auftritte verschaffen der Unternehmung eine ungeahnte Eleganz.

Kapitelweise wird das Buch Pop aufgeblättert, zungenflink vorgelesen, was uns Anorak und Indie, Sunshine und Bubblegum einst waren. Die Achtziger, die Sechziger. Vielleicht die Beatles, Prefab Sprout, Velocity Girl, Rocketship. Lunchbox haben sich seit zwei Jahrzehnten in ihrem Keller-Studio verschanzt, sind dennoch nahe eines überirdischen Scheins, nahe am perfekten Klang. Obwohl herbstlich eingefärbt und von einer schwarzweißen Katze umstreunt, erlaubt das Neuwerk keine Trübsal. Jemand hat das bündig als „Teen Music Fiesta“ gekennzeichnet.

Die Zeit ist reif!

Wenn die Band aufs Gaspedal tritt, zündet die Rakete. „Utopia“, „Gary Of The Academy“ und besonders „It’s Over Now“ sind schönste Zeugnisse gebändigten Harmonie-Krawalls. Trompetenstöße, Fingerschnippen, tatsächlich der von Brown beschworene „Sonic Glue“. Andere Lieder aus diesem gestrafften Sortiment – über 3.47 Minuten ragt es im Einzelfall nie heraus – versacken mitunter in allzu flauschiger Cleverness.

Es gibt gute Gründe, diese Musik im Dezember 2020 und speziell zwischen diesen Jahren aufzulegen. In all dem Wippen und Zucken setzen Erinnerungen ein. Keine unangenehmen. – Wann haben Sie zum letzten Mal an The Clean gedacht? Und „Anything Could Happen (And It Could Be Right Now)“ gehört? Na also. Die Zeit ist reif!

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