Heiliggeistkirche

Lückenlose Version

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Die Frankfurter Kantorei führt Mozarts c-Moll-Messe mit Robert Levins Ergänzungen auf.

Robert Levin, der 1947 geborene US-amerikanische Pianist und Musikwissenschaftler hat viel Talent, in Fragment gebliebenen Werken Lücken zu schließen. So etwa in Wolfgang Amadeus Mozarts c-Moll-Messe – jener anspruchsvollen Komposition, die im halbfertigen Zustand von 1783 auf uns gekommen ist. Kyrie, Gloria und Teile des Credo sowie des Sanctus kennt man von Aufführungen. So richtig gefehlt hat einem dabei nichts; die Neugier, wie wohl das „Crucifixus“ oder das „Et resurrexit“ sowie das „Dona nobis pacem“ ausgefallen wären, hielt sich in Grenzen. Man war ja im Konzert und nicht in der Kirche, wo solche Lückenhaftigkeit hätte stören können. Vielleicht wollte Mozart, der sich 1784 zum Freimaurertum bekannte, auch gar nicht die liturgische Form endgültig erfüllen. Und hatte Kaiser Joseph II. nicht umfängliche musikalische Darbietungsweisen in Messen untersagt?

Das Werk in der Fassung Levins von 2005 brachte die Frankfurter Kantorei in der Heiliggeistkirche jetzt zur Aufführung. Um gut zwanzig Minuten verlängert und endend mit dem komplett freihändig komponierten Agnus Dei. Eine Offenbarung ist das nicht – zu deutlich sind die zwar handwerklich bestechenden, aber der rhetorischen Inspiration entbehrenden Zusätze zu erkennen. Ein geordnetes, geradliniges Verfahren, das auf Mozarts wirbelnde oder harmonisch ausscherende Momente, die sich auf anderen Ebenen des tonalen Verlaufs wiederfinden, verzichten muss. Die fugierten Partien zu lang und dynamisch so wenig entwickelt wie der klangatmosphärische Wechsel von heiter und bewölkt bis trüb. Die endlose und fast bombastisch wirkende Friedensbitte des „Dona nobis pacem“ ehrt zwar die Haltung ihres Schöpfers, aber der Schluss eines Agnus Dei ist nicht das Ende einer Messe und auch nicht deren zentraler Bestandteil.

Zentral war der Gesang der Kantorei und das Spiel der Camerata Frankfurt, die eingangs einen glänzenden Könnensbeweis bei der Aufführung von Mozarts A-Dur-Klarinettenkonzert geführt hatte. Im Verein mit dem makellosen und hervorragend den sowohl pastoralen als auch den ganz diesseitig quirligen Virtuosenton treffenden Daniel Gatz. Und mit Winfried Toll, dem Leiter der Kantorei, der sich als ausdifferenzierter, souverän feinste Abstufungen ohne jede Pauschalität dem Orchester vermittelnder Dirigent erwies.

Die Kantoristen blendend in lockerer und zugleich den Verlauf markant ränderndem Duktus. Trefflich die Vokalsolisten, bei denen der Sopran von Sarah Wegener durch das vokale Fegefeuer des „Et incarnatus est“ kam, ohne sich zu verbrennen.

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