Die Virtuosi Saxoniae mit Ludwig Güttler, Trompete und Leitung, in Kloster Eberbach.

Ludwig Güttler

Ludwig Güttler: Es schnurrt

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Ludwig Güttler mit einem klassischen Programm beim Rheingau Musik Festival.

Musik von Georg Friedrich Händel kann die Wintersaison leicht vorwegnehmen, wenn das Konzert zum Oratorium „Judas Maccabaeus“ gespielt wird: mit Wiedererkennungseffekten und in festlicher Bläserpracht, und die sakrale Umgebung lässt vergessen, dass draußen der Sommer ist, und man am Ende des Abends ein Feuerwerk anschauen müsste. Denn auch insgesamt war das ein so klassisches Barockkonzert, wie man es nicht mehr jeden Tag geboten bekommt, und darum stand am Ende wirklich die „Music for the Royal Fireworks“ und hielt, was sie versprach.

Ein klassisches Programm, auch sehr klassisch dargeboten. Der Kontrast konnte nicht stärker sein zur extrem schlanken Darbietung der Monteverdischen Marienvesper mit dem Dunedin Consort am selben Ort zehn Tage zuvor. Nun traten der große Trompeter Ludwig Güttler, in diesem Sommer 76 geworden, und die Virtuosi Saxoniae beim Rheingau Musik Festival in der Basilika von Kloster Eberbach an. Das Ensemble, von Güttler 1985 gegründet, speist sich aus der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Der Umgang mit den barocken Werken war insofern von großer Disziplin geprägt und durch grandiose Solistenleistungen, wie es sich nachher etwa in Antonio Vivaldis Konzert g-Moll für zwei Celli zeigte.

Zugleich waren die Abläufe schnurrend, ein jeweils in Gang gesetztes Laufwerk perfekter, dabei auf Distanz haltender Musik, und ohne dass ein ausgeprägter Wunsch spürbar geworden wäre, sich an Eigenwilligkeiten zu versuchen. Vor allem fiel das auf, weil Güttler zwar anleitete, man sich aber immer fragte, ob das notwendig gewesen wäre. Die Musik ergab sich aus sich selbst, ewig hätte sie so fortgehen können, die Mitglieder des Ensembles waren ja in einem guten Kontakt zueinander. Die Logik war ungeheuerlich (hier in einem faszinierenden Kontrast zu der herausfordernden Polyphonie der Marienvesper).

Güttler spielte dabei das ausgetüftelte – von ihm technisch mit nach vorne gebrachte – Hörnchen Corno da caccia und die Trompete meist im Tutti und blieb in einer zurückhaltenden Rolle, Gebrauchsmusik auf hohem Niveau.

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