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Lucinda Williams und ihr „Tribute To Tom Petty“: Die Mundart des Südens

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Von: Olaf Velte

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Lucinda Williams. Foto: Highway 20
Lucinda Williams. © Highway 20

Lucinda Williams eröffnet ihre „Jukebox“-Serie mit den Songs von Tom Petty.

Ganz ans Ende hat sie einen Song gestellt, der nicht von Tom Petty ist. Eines dieser erhabenen, großen Musikstücke, die seit etlichen Jahren jede neue Platte von Lucinda Williams beschließen. In dem heutigen „Stolen Moments“ fließen cremiger Southern Rock, Erinnerung und Dankbarkeit ineins: „I think about you / it’s like a heartbeat / stolen moments / you’re riding with me / again.“

Ein Meilenstein, arrangiert auf einer Sammlung, die „Runnin’ Down a Dream“ betitelt ist und ein Dutzend Tom-Petty-Kompositionen vereinigt. Mit seiner Tribut-Ausrichtung – grüßend auch zum 70. Geburtstag des 2017 verstorbenen Meisters – markiert das Album den Beginn einer Serie von live im Studio aufgenommenen Konzerten.

Fünf der im vergangenen Jahr eingespielten Veröffentlichungen sollen unter dem Motto „Lu’s Jukebox“ noch folgen, eine illustre Gesellschaft aus Weihnachts- und Country-Klassikern, Bob-Dylan- und Rolling-Stones-Bearbeitungen. Eigennutz kann der mittlerweile 68-jährigen Lucinda Gayle Williams dabei nicht ins Stammbuch gekrakelt werden. Eingenommene Dollars kommen unabhängigen und derzeit in Schieflage befindlichen Musik-Clubs zugute, darunter Häuser vom Schlage Cat’s Cradle in Haw River, Tipitina’s in New Orleans oder das Amsterdamer Paradiso.

Das Album

Lucinda Williams: Runnin’ Down A Dream – A Tribute To Tom Petty. Highway 20 /Thirty Tigers.

Hat der gute Wille eine gute Platte hervorgebracht? Ist die Verwandtschaft des im ewigen Americana-Revier ackernden, fast gleichaltrigen Paares Petty/Williams nicht doch zu eng? Sind Zuneigung und Respekt gar Bremsklötze? – Fragen, die im Winde verwehen, fortgetragen werden von einer zärtlichen Gitarrenrock-Brise, einer unkomplizierten Mach-es-einfach-Atmosphäre. Und wenn sich Williams’ zerschmirgelte Südstaaten-Stimme darüber wölkt, verblasst jeder Einwand sowieso ins grau Verregnete.

Die Auswahl umgreift eine lange, zwischen 1979 und 2006 gedehnte Strecke. Petty-Hits a la „I Won’t Back Down“ oder „Wildflowers“ sind hier ebenso nahe am Original wie Randständiges, selten Aufgelegtes. Auf den Karren geladen werden Werkstücke aus allen Phasen des Heartbreakers- und Solo-Seins: Triumph, Trauer, Tratsch. Klar, dass mit „Rebels“ auf- und mit „Southern Accents“ abgesattelt wird.

„There’s a southern accent, where I come from“ – darauf einigen sich der blonde Florida-Mann und die durch vier Rock’n‘Roll-Dekaden gewanderte Sängerin in tiefem Selbstverständnis. Eindringlich, diese von Pianoklängen und einer maunzenden Gitarre dominierte Anverwandlung, selbstsicher und gewiss. Nur ein Wimpernschlag zwischen der zerbrechlichen Ungeschütztheit des „Room At the Top“ und der kratzbürstigen Unbeherrschtheit von „You Wreck Me“. Man kann hören, warum Lucinda Williams ihren treuen Saitengreifer Stuart Mathis ins Studio geladen hat.

Sogar Schunkeleien wie „Louisiana Rain“ (unter dem sie aufgewachsen ist) und „Down South“ (der sie geprägt hat) bekommen ihre konzentrierte Darbietung. Von anderem Kaliber dann „Gainesville“, mit dem Tom Petty seinen Geburtsort einst ins Reich von Rickenbacker und Cowboystiefel geholt hat. Um Verbindlichkeiten muss sich die Tochter des Dichters Miller Williams längst nicht mehr kümmern. „I got my own way of talking / got my own way of praying“, so heißt es in der Mundart des Südens. Zwei Dinge, die sie ihrem Vater abgelauscht hat: Die Kraft zum Widerstand, die Gabe zur Hoffnung.

Am Ende bleiben Erinnerung und Dankbarkeit, Momente, der Zeit abgerungen, ins Jetzt geholt. Herzschläge. „You’re riding with me / again.“

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