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Immer mit positivem Grundgefühl: G. Love. 

Neues Album

G. Love: „The Juice“ – Nützen und unterhalten

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G. Love und sein modern bluesiges Album „The Juice“.

Das G. in G. Love steht für Garrett, „Love“ für die Nächstenliebe und der Albumtitel „The Juice“ ausnahmsweise nicht für ein Getränk. Dabei landete der Trump-kritische Sänger aus Philadelphia 1994 seinen ersten Hit „Cold Beverage“ mit einem Text über Limonade. Damals lautete der Bandname G. Love & Special Sauce. Die Bezeichnung „besondere Soße“ rührt daher, dass diese Combo eine stilistisch einmalige Mischung servierte. Urbane Zutaten wie Rap, P-Funk und Alternative Rock prallen auf ländlich geprägte Spielarten: Folk-Roots, Blues und eine Prise Country. Flüssigkeiten und kulinarische Metaphern begleiteten Frontmann Garrett Dutton durch viele Songs hindurch, von „Baby’s Got Sauce“ über „Sweet Sugar Mama“, „Soda Pop“, „Milk and Cereal“ (Milch & Müsli) und „Crumble“ (Krümel), bis jetzt, 2020, zu „Drinkin’ Wine“.

Auf „The Juice“ mischt G. Love sich in gesellschaftliche Fragen ein. „Artists stehen oft am Rand des linken Spektrums, sie vertreten liberale und progressive Werte. Aber viele wollen keine Ticketverkäufe riskieren. Daher halten sie sich politisch zurück“, so G. Love. Er möchte den Erfolg von Kunst daran messen, ob er Menschen damit eine Stimme leihe.

Seinen Titelsong „The Juice“ versteht er als Protest gegen Trumps Regierungsstil. Frei nach dem Spruch des römischen Dichters Horaz, „prodesse et delectare“ (nützen und unterhalten) lässt er den Text in ein unterhaltsames musikalisches Gewand schlüpfen. Mit lässigem Groove lässt sich dieser CD-Opener als Easy Listening empfinden.

Ein positives Grundgefühl hatte schon auf allen früheren Platten höchste Priorität. Doch der 23-jährige Blues-Erneuerer Marcus King, ein Vierteljahrhundert jünger als G. Love, setzt mit seiner E-Gitarre einige „twangende“, harte Kontrapunkte und fügt dem Sound eine dunklere Seite hinzu. Marcus King, selbst mit „El Dorado“ neu in den Plattenläden, ist einer von mehreren Gästen auf „The Juice“. Auch Zupf-Star Robert Randolph an der 24-saitigen Pedal Steel erweitert die Bandbreite. Andere Beteiligte kommen aus Funk und Jazz, zudem gibt es großartige Background-Sängerinnen.

Das Album

G. Love & Special Sauce: The Juice. Philadelphonic (Membran).

Zwar durchzieht Leichtfüßigkeit G. Loves Sound, aber Garrett sind seine politischen und zeitkritischen Botschaften wichtig, wie er im Gespräch ausführt: „,Shake Your Hair‘ handelt von der ganzen kulturellen Atmosphäre, in der wir leben. Wir Musikschaffende sollten uns für das Wohl der Natur, der Arbeitnehmerschaft, der Homosexuellen, von Menschen mit Migrationshintergrund, für Frauenrechte und Wahlfreiheit einsetzen.“

Seinem Song „Go Crazy“ hört man äußerlich Funk-Einflüsse an. Textlich verarbeitet G. Love darin unsere Wahrnehmung von Nachrichten: von Themen wie Brexit und Umweltzerstörung, negativen Dingen, die kurzfristig wenigen und langfristig niemandem nützten, wie er sagt.

In den letzten Jahren wurde der Barde des Hip-Hop-Blues, wie er seinen Stil beschreibt, immer sensibler für Konflikte zwischen Umweltschutz und Konsum, und meint: „Fast Fashion ist ein Riesenproblem unserer Kultur weltweit. Es gibt einen großen Druck auf Menschen, körperlich attraktiv auszusehen, und davon handelt mein Song ,Fix Your Face‘.“

Der Song „Soul-B-Que“ bedient sich noch weiterer stilistischer Zutaten und eignet sich als Anspieltipp, wenn man von G. Love bis dato noch nie gehört hat. Im Background-Gesang stützt er sich auf Gospel-Soul-Flair. Surf-Pop-Zitate an Gitarren und Bass machen den Rhythmus fluffiger. Der Titel „Soul-B-Que“ stellt ein Wortspiel aus Barbecue und seelischer Verbundenheit dar – zwischen Fremden, die zusammen eine Party feiern.

Blues-Kenner Keb ’Mo schliff die ganze Platte als Produzent und E-Gitarrist entlang modern-bluesiger Kanten. Es gelang ihm perfekt, sie abwechslungsreich und dennoch stringent zu halten. Klanglich bietet „The Juice“ Premium-Qualität. Da auch der Inhalt einen roten Faden aufweist, lässt sich die CD als Konzeptalbum hören.

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