Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Anja Lechner, François Couturier.
+
Anja Lechner, François Couturier.

Duo

Album spielt mit Rätseln

  • vonHans-Jürgen Linke
    schließen

Anja Lechners und François Couturiers Album „Lontano“ spielt mit atmosphärischen Rätseln.

Das Präludium ist in einer gemeinsamen Improvisation entstanden und beginnt mit einer langen Stille, aus der heraus ein feiner Ton entsteht, der nicht sofort trennscharf von der Stille unterscheidbar ist. Erst dann wird er als gestrichene Violoncello-Saite identifizierbar. Das Postludium am Ende des Albums, ebenso aus einer Improvisation entstanden, lässt dem Klavier den Vortritt. Dazwischen finden sich 14 Stücke – Kompositionen von Henri Dutilleux, Ariel Ramirez, Giya Kancheli und Anouar Brahem sowie von Anja Lechner, der Cellistin, und François Couturier, dem Pianisten.

Sechs Jahre nach „Moderato Cantabile“ haben die beiden ein zweites Duo-Album eingespielt, das den damals eingeschlagenen Weg fortsetzt, und zwar in durchaus zugespitzter Weise. Wobei zugespitzt hier nicht bedeutet, dass quantitativ mehr geschieht als auf dem ersten Album. Es ist eher so, dass der konzentrierende Reduktionismus, die Intimität und die daraus entstehende Intensität der Musik noch weiter getrieben sind. Anja Lechner zitiert den ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov mit dem Satz, es gebe keine neue und keine alte Musik, die Musik sei immer und überall da. Aufgabe des Musikers sei nicht das Erfinden von Musik, sondern das Einfangen und Fixieren.

Das Album

Anja Lechner / François Couturier: Lontano. ECM 2682 / Universal.

Das klingt nach Metaphysik, aber es lässt sich in die Tat und in Klang umsetzen: Cello und Klavier agieren oft behutsam und luftig wie Schmetterlingsnetze. Die Musik, die sie auf diese Weise eher einfangen als inszenieren lässt, mit einer zuweilen ungemein behutsam tupfenden Anschlagskultur des Pianisten, mit einer fein gespannten Sanglichkeit in der Artikulation der Cellistin, bekommt dadurch einerseits etwas Fragiles, andererseits eine unabweisbare, wenn auch durch ihren fast immateriellen Charakter immer wieder in Frage gestellte Gegenwart.

„Lontano“ bedeutet so viel wie „weit entfernt“. Die geringe dynamische Amplitude im Zusammenspiel, die bis zur Mehrdeutigkeit gedehnten rhythmischen Gestalten lassen kaum den Gedanken an etwas Beständiges, Notiertes, Wiederholbares zu. Alles ist flüchtig, zieht vorüber und löst sich fast schon im Moment des Gehörtwerdens wieder auf. So dass beispielsweise eines der gemeinsam verantworteten Stücke konsequent „Memory of a Melody“ heißt – als wäre die Melodie schon vorüber gewesen und die beiden hätten sich der Vergangenheit zuwenden müssen, um sie doch noch einzufangen.

Das sind alles Metaphern, um die rätselhafte Atmosphäre zu beschreiben, die von dieser Musik ausgeht. Anja Lechner lässt ihr Cello nur für kurze, markante Passage singen, verharrt oft im Andeuten, schweift ab ins Geräuschhafte, und nur einmal ertönt eine kraftvoll artikulierte Phrase im tiefen Register, als würde sich eine Falltür öffnen. François Couturier klingt zuweilen etwas voller und pianistischer, aber nie ertönen Akkordblöcke oder flirrende Girlanden. Jedes Stück aus „Lontano“ ist individuell geschliffen, mit feinen Kanten und Effekten und immer ein bisschen durchscheinend.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare