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Gordon Lightfoot in Kalifornien auf der Bühne.  

Neue Musik-Alben

Lightfoot, Taylor, Rateliff: Ein Mann, eine Gitarre, viele Songs

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Neue Alben von den Singer-Songwritern Gordon Lightfoot, James Taylor und Nathaniel Rateliff.

Einer, der Bilanz zieht: Vom Schuheputzen übers Schneeschippen bis zum Duschen, bis zum Hundehaufen einsammeln (tatsächlich!) und Ernten von Roter Beete: Hast du es jemals satt, fragt Gordon Lightfoot und beantwortet es im Song „Just a Little Bit“ mit dem Titel. Der Kanadier, Jahrgang 1938, hat auch das Musikmachen wohl höchstens ein bisschen satt, wollte er doch mit seinem neuen, dem 23. Studioalbum sogar auf Tour gehen. Dann aber ist „Solo“ – ein Mann, eine Gitarre, zehn Songs – ziemlich unbemerkt erschienen, ein unaufgeregtes, erzählendes Album, eine Art selbstironischer Bilanz. Geblieben ist die vertraute schlichte, balladeske Melodieführung, sind die Texte, die durchaus scharfe Kanten haben können. Und diesmal Rückblicke sind oder vom Abschiednehmen erzählen oder eben, wie „Just a Little Bit“ von ein bisschen Überdruss. „Solo“ ist melancholisch und ziemlich abgeklärt mit Zeilen wie „All our fears will return into dust“, auch unsere Ängste werden irgendwann zu Staub, es ist ein Trost.

James Taylor: American Standard

Die Alben:

Gordon Lightfoot: Solo. Early Morning Productions/ Warner Music Canada.
James Taylor: American Standard. Fantasy Recordings.
Nathaniel Rateliff: And It’s Still Alright. Stax Records/ Caroline International.

Einer, der die Tradition pflegt: James Taylor, zehn Jahre jünger als Gordon Lightfoot, hat ebenfalls nicht wenig geschrieben, das ins kollektive Song-Gedächtnis eingegangen ist, von „Sweet Baby James“ bis „Something In the Way She Moves“. Hits hatte er aber auch mit den Liedern anderer, denen er stets etwas spezifisch Tayloreskes mitzugeben verstand. So auch jetzt beim Album „American Standard“, das, der Titel sagt es schon, durch Klassiker schlendert. Mit leichtfüßiger Lässigkeit schlendert, mit völlig natürlich erscheinender Schlichtheit, bei „Almost Like Being In Love“, „Moon River“, „The Nearness of You“ oder „It’s Only a Paper Moon“. Anders als Gordon Lightfoot hat James Taylor sich Mitmusiker gesucht – die sich jedoch nie vor seine sympathische Märchenerzähler-Stimme drängen. Zu Taylors akustischer Gitarre kommt eine zweite, gespielt vom das Album mitproduzierenden John Pizzarelli, kommt dezente Percussion, Bass, Klarinette, Melodica, Trompete. „American Standard“ könnte auch der entspannt swingende, zart melancholische, der ideale Soundtrack eines Woody-Allen-Films sein.

Nathaniel Rateliff: And It’s Still Alright

Einer, der in die Zukunft geht: Nathaniel Rateliff zu den beiden alten Herrn zu packen, ist ein bisschen gewagt – aber schließlich spielt er auch Gitarre, singt und schreibt Songs, auf die die Etiketten Folk und Americana so einigermaßen passen (und was sind schon Etiketten?). Ach ja, und auch er hat als Letztes eine 8 im Geburtsdatum: 1978. Seit 2015 spielt er mit Leuten, die sich „Die nächtlichen Hitzewallungen“ nennen lassen (Nathaniel Rateliff & the Night Sweats), jedoch hält man sie trotzdem für coole Jungs. Und ohnehin sind nur zwei Sweats nun am Solo-Album „And It’s Still Alright“ beteiligt. Anlass fürs Songschreiben war laut Pressematerial die zerbrechende Ehe Rateliffs und der Tod des Produzenten und Freunds Richard Swift. Aber es ist kein wütendes, auch kein melodramatisches Album entstanden. Vielmehr ein nuanciert expressives, das der markanten, keineswegs schmeichelnden, aber wandelbaren Stimme Rateliffs den Vortritt lässt. Es ist eine Stimme, die zwischen schluffig nuschelnd und scharf akzentuiert, zart-rau und mächtig anschwellend alle Stimmungen, alle Gefühle drauf hat – und weit mehr ist als nur alright. Aber er ist ja auch noch 40 bzw. 30 Jahre jünger als die beiden anderen Männer mit Gitarre.

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