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Liederabend Tamara Wilsons in der Oper.
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Tamara Wilson in der Oper Frankfurt.

Tamara Wilson

Liederabend Tamara Wilson: Ariadne im Spielzeugland

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Im Frankfurter Opernhaus findet ein Liederabend mit der amerikanischen Sopranistin Tamara Wilson mit wenig Publikum statt.

Auch der Liederabend mit Tamara Wilson war schon einmal geplant, für den Lockdown-Dezember 2020, als sich kein Mensch vorstellen konnte, dass im Januar 2022 die Reihen im Frankfurter Opernhaus wieder dermaßen schütter besetzt sein würden. Jetzt trifft es sich, dass die amerikanische Sopranistin dieser Tage die Ariadne für die wenigen Glücklichen an der viertelvollen Bayerischen Staatsoper München singen wird und zuvor in Frankfurt Station machen konnte. Am Klavier die Frankfurter Repetitorin Anne Larlee als feinsinnige Kumpanin für ein munteres, geradezu antiresignatives Programm.

Tamara Wilsons auch in höchsten Höhen gleißend klare Stimme ist für übergroße US-amerikanische Opernhäuser wie gemacht, umso bewunderungswürdiger, wie sie die Durchschlagskraft zu dosieren weiß und so ganz weich und sanft durch das „Dämmergrau in der Liebe Land in ein blaues, mildes Licht“ vordringt, denn auch Richard Strauss hat sich in den Programm-Mix geschoben. Er beginnt mit einem spätromantischen Block – Hugo Wolf, Strauss und Erich Wolfgang Korngold, aber eigenwillig eröffnet durch „Nocturne“ des recht vergessenen Österreichers Joseph Marx. Das blendende Deutsch Wilsons dokumentiert ihre teils schon verwirklichten Wagner-Interessen. Der Perfektionismus amerikanischer Sängerinnen zeigt sich aber auch an den unwagnerisch natürlichen Auslauten.

Gepflegte Kraft

Weitgehend englisch-amerikanisch das übrige Programm, ein Programm aus dem (scheinbar) leichteren Fach, in dem die große Stimme in den richtigen Momenten doch wunderbar vorführte, was eine Harke ist. Das Hochdramatische, gepflegt eingesetzt, half sowohl in den Liedern von Amy Beach (1867-1957) und den Ausschnitten aus Victor Herberts Operette „Babes in Toyland“ (1903, man konnte direkt neugierig werden) als auch im Zeitgenössischen nach der Pause. Hier übersprang sie die angekündigte György-Ligeti-Nummer („Der Sommer“, das wäre in diesen Tagen auch irgendwo: provokativ) und bot „Cowboy Songs“ von Libby Larsen (Jahrgang 1950), „These Strangers“ von Jake Heggie (Jahrgang 1961, der vor wenigen Wochen an diesem Ort als Pianist mit Jamie Barton zu erleben war und wirklich hoch im Kurs steht) und den „Weightless Dreams“ von James Kallembach (Jahrgang 1978). Letztere beide Liedgruppen in europäischer Erstaufführung und weitere schöne Belege dafür, dass die Liedproduktion lebt. Ähnlich wie Heggie und Barton, die neulich ihren Zyklus zu meistvermissten Dingen im Corona-Lockdown vorführten, arbeiteten Kallembach und Wilson mit den Aussagen von Astronautinnen, die sich mit dem Träumen und Erdeanschauen im All befassten. Fragil wie die Welt von außen die zarten Lieder zu den „schwerelosen Träumen“, eigentlich nämlich kraftvoll, aber nicht unzerstörbar.

Die Uraufführung von Griffin Candeys Lied „Thundercloud Over Half Dome“, für Wilson geschrieben, widmete sie einer verstorbenen Lehrerin an ihrem Heimatopernhaus in Houston. Das Sentimentale und das Ernste verwoben sich auch hier auf eine Weise, die nur einem sehr bornierten europäischen Blick eine Spur oberflächlich vorkommen kann. Er genierte sich dann auch, der Blick, und freute sich an der Zugabe, „Beyond the Blue Horizon“ von Richard A. Whiting und William Franke Harling, in dem 1930 die markante „Raumschiff Enterprise“-Gesangslinie vorweg genommen wurde. Tamara Wilson hat ein Faible dafür, wie jeder vernünftige Mensch.

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