Domen Križaj beim Liederabend im Opernhaus. 
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Domen Križaj beim Liederabend im Opernhaus. 

Oper Frankfurt

Liederabend: Der Ritter von der heiteren Gestalt

  • vonBernhard Uske
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Der Bariton Domen Križaj mit einem verheißungsvollen Liederabend in Frankfurt.

Mit einem doppelt guten Gefühl verließ man mund- und nasenschutzbewehrt den Saal der Frankfurter Oper nach dem letzten Liederabend der im Corona-Reduktionismus endenden Saison 2019/20. Domen Križaj bescherte einen besonders stimmigen und klangvollen Abend und bewies damit zugleich, dass seine Verpflichtung für das Frankfurter Opernensemble ab der kommenden Spielzeit einen Gewinn für die Sangeskunst des Hauses bedeuten wird.

Ein Bariton, der gewissermaßen in der Mitte zwischen dem Artikulationsraum eines Dietrich Fischer-Dieskau und dem eines Christian Gerhaher zu verorten ist. Die „Vier ernsten Lieder“ Johannes Brahms’, die man mit den beiden Leuchttürmen baritonaler Vokalität kennt, bildeten den Auftakt des gut einstündigen, pausenlos gegebenen Programms des slowenischen Sängers, der 31 Jahre alt ist. Eine feste, gut fundierte, mit einem schönen und markanten Obertonspektrum versehene Stimme wird da hörbar und eine Gestaltungsweise, die weder die pointierte, fast agitierende Dimension Fischer-Dieskaus bei Brahms noch die eher hohlwangige, auf homogene Tiefenlotung zielende Gerhahers darstellt.

Eine bodenständige, aber nicht polternde oder verharrende, lediglich klar geführte Stimme ist das, die den melodischen Zug sucht und ihn im Verein mit der pianistischen Begleitung durch Hilko Dumno auf herrliche Weise trifft. Das war eine exemplarische instrumental-vokale Synthese, die dem Liedgestaltung an der Musikhochschule Frankfurts unterrichtenden Pianisten gelang. Die fließenden Bögen, ein Ton getragener Emphase, auch ein strenges, ja großes Pathos, wie es in Arnold Schönbergs frühem Lied „Dank“ op. 1/1 manifest wird, waren wichtige Momente dieser auf affektive Exhibition verzichten könnenden Aufführung.

Von Richard Strauss war „Heimliche Aufforderung“ und „Allerseelen“ zu hören gewesen. Weder zu dramatisch-opernhaft das erste, noch zu belegt und verschmachtend das letztere Lied. Besonders involvierend getragen waren die Strophen von Ludwig van Beethovens „Adelaide“ op. 46 realisiert worden. Das oft Biedere und ideal Sterile der Lied-Diktion des komponierenden Entfesslers und Manifestanten war in gebundenem, immer leicht bleibendem Enthusiasmus aufgehoben.

Als Novitäten stellten sich Lieder aus des Sängers slowenischer Heimat dar. Namen wie Fran Gerbic, Anton Lajovic oder Rado Simoniti sind dem hiesigen Publikum völlig unbekannt. Viel näher an volksliedhafter, einfacher, aber lyrisch oft gut durchgezeichneter Art gelegene Kunstwerke, die in der zweiten Hälfte des 19. und zu Teilen im 20. Jahrhundert entstanden.

Der Schluss blieb Maurice Ravel vorbehalten, dessen „Don Quichotte à Dulcinée“ M. 84 die Phantasie-Erotizismen des Ritters in den Sätzen „Chanson romanesque“, „Chanson épique“ und „Chanson à boire“ zum Ausdruck bringt. Ein Ritter hier gar nicht von der traurigen, sondern viel eher von der sanft-fröhlichen Gestalt. Sie realisierte sich ohne alle Ironie und als schöne Glücksverheißung, die in ihrem Eingebildetsein ja auch gar nicht enttäuscht werden kann.

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