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Bianca Andrew, jetzt beim Liederabend aus dem Bockenheimer Depot zu erleben. Foto: Barbara Aumüller
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Bianca Andrew, jetzt beim Liederabend aus dem Bockenheimer Depot zu erleben.

Bockenheimer Depot

Liederabend der Oper Frankfurt mit Bianca Andrew und Jonathan Abernethy: In der Welt zu Hause

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Bianca Andrew und Jonathan Abernethy senden aus dem Bockenheimer Depot Volks- und Reiselieder von Lucio Berio und Ralph Vaughan Williams.

Bewegen wir uns also weiterhin anders als gewohnt und reisen mit Luciano Berio und Ralph Vaughan Williams durch die Welt – in einem Facettenreichtum, das herkömmlichen Reisenden auch unter normalen Umständen nicht zur Verfügung stünde. Und im herkömmlichen Konzertprogramm nicht zu den Standards gehört, jetzt aber mit schönem Aufwand aufgeführt wurde beim aus dem Bockenheimer Depot gesendeten Liederabend der Oper Frankfurt.

Der Brite Vaughan Williams (1872–1958) griff in den „Songs of Travel“ zwischen 1901 und 1904 auf melancholische, aber maßvoll abgründige Reisegedichte von Robert Louis Stevenson zurück. Berio (1925–2003) schrieb 1964 seiner Frau, der US-Sängerin Cathy Berberian, elf „Folk Songs“, in denen es fast von Lied zu Lied in eine andere Kultur geht, von den USA nach Westeuropa und weiter Richtung Osten nach Armenien (wo Berberians Familie ihre Wurzeln hatte) und Aserbaidschan. Es wird im ligurischen Dialekt (aus Berios Heimat) und in okzitanischer Sprache gesungen, und eines der Lieder, das aserbaidschanische, nahmen Berio und Berberian lediglich phonetisch von einer alten Schallplattenaufnahme ab. Wenn Bianca Andrew es jetzt im Bockenheimer Depot singt, kann keiner wissen, worum es geht, aber eine Verve und eine immense Lebenslust sind im Spiel, scheinen im Spiel zu sein. Musik könnte uns an dieser Stelle unheimlich betrügen, aber wie gerne lassen wir uns das gefallen.

Raffinierte Einfachheit ist das Gebot der Stunde, die „Folk Songs“ auf häufig einfach gebaute, aber hypnotisierend intensive Melodien werden von Berio bearbeitet und modern und eigenwillig eingerichtet, aber nicht in ihrer Natur verfremdet. Sie bilden eine spannende Verbindung aus Kunst- und Volkslied. Andrew trägt sie mit ihrem warmen, unangestrengten Mezzo hinreißend zärtlich, bodenständig und mit einem schlichten, natürlichen Elan vor. Nikolai Petersen dirigiert das Miniaturorchester dazu – an dieser Stelle ist gerade gegenwärtig ein personeller Luxus möglich, der an herkömmlichen Liederabenden selten ist.

Der Tenor Jonathan Abernethy – wie Andrew Ensemblemitglied der Oper Frankfurt und wie sie aus Neuseeland – bleibt in den Vaughan-Williams-Liedern bei dieser hochkultivierten Einfachheit. Jetzt kommt aber ein noch lakonischerer Ton ins Spiel, der die gelegentliche Sentimentalität des Textes nicht konterkariert, sondern angenehm abkühlt. Anne Larlee begleitet umsichtig und geschmeidig am Klavier, wie überhaupt ein ruhiges Einverständnis auf der virtuellen Bühne herrscht. Vielleicht gehört dazu auch eine geruhsamere Vorbereitungszeit, als es sonst an einem Opernhaus möglich ist. Da gibt es nichts schönzureden, aber das Einschalten und Nachhören lohnt.

Der Frankfurter Operndramaturg Konrad Kuhn führt aufschlussreich ins Geschehen ein, und die an dieser Stelle vielleicht etwas zu sehr ausgeruhte Kameraführung wird im musikalischen Teil wettgemacht durch ein Teelichterchenmeer.

Das Video aus dem Bockenheimer Depot ist weiterhin zugänglich via www.oper-frankfurt.de

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