Oper Frankfurt

Lieder-Abend: In träumerischer Innenwelt

  • vonBernhard Uske
    schließen

Ein Abend mit „Liebeslieder-Walzern“ von Brahms und mit Schumanns „Frauenliebe und Leben“ in der Frankfurter Oper.

Das Publikum ist nur unentbehrlich, „weil’s im leeren Saal nicht klingt“ – der zynische Satz Arnold Schönbergs über die Bedeutung des Zuhörers ist in Zeiten von Corona auch jenseits avantgardistischen Elitebewusstseins nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Wirklichkeit der abstandsregulierten Sitzplatzreduktion in Opern- und Konzertsälen schafft für tradiertere Klangformen ebenfalls akustische Mängelsituationen, die aus veränderten Frequenzgängen, Verhallungen und dynamischen Ballungen der fast leeren Räume entstehen. Da macht es keinen Unterschied, ob ein oder vier Sänger auf der Bühne stehen, wie jetzt beim „Ensemble-Abend“ der Frankfurter Oper.

Die erste Folge der „Liebeslieder-Walzer“ von Johannes Brahms aus dem Jahr 1870 wurde gegeben und die verlangt ein Vokal-Quartett sowie eine pianistische Begleitung zu vier Händen. Womit achtzehn Nachdichtungen von Volksliedern aus der Feder Georg Friedrich Dauners zum Klingen gebracht werden sollen. Dabei zeigt sich ein gänzlich aufgeräumter Brahms, populistisch in der walzenden Grundierung von Rhythmen und Melodien und doch subtil seiner Varianten-Flexibilisierung frönend. Alle Stimmkombinationen werden ausgenutzt, vom kräftigsten Tutti bis zur solistischen Exponierung.

Entfernt von den an der hinteren Begrenzung des Podiums befindlichen zwei Klavieren standen die Sänger, in gebührender Entfernung zueinander: das schöne Bild von zwei Pianisten an einem Flügel, um den sich vier singende Solisten scharen, hatte steriler Frontalpräsenz zu weichen.

Sie trugen Spannung zu

Perfekt in Timing und trefflich durchartikuliert waren die gesanglichen Leistungen. Überragend die Agilität und rhythmische Verve der beiden Pianisten Mariusz Klubszuk und Anne Larlee, deren pointiertes Spiel den vokalen Verbindungen gehörig Spannung zutrug. Die akustische Vermittlung im Saal selber erwies sich, mit der Einstellung Schönbergs behorcht, als farblos, mit Schärfen und sich im Forte nicht auflösender Tutti-Höhe.

Am wenigsten kam das bei den Liedern zum Tragen, die einzelnen Stimmen überantwortet waren. Da zeigten die jungen Ensemble-Mitglieder Angela Vallone, Bianca Andrew, Michael Porter und Anthony Robin Schneider Qualitäten, die in einem gut besetzten Haus weit besser zur Geltung gekommen wären. Immerhin: Brahms als eine Art Fledermaus-Urahn (Nr. 6) oder als motivischer Stichwortgeber für die Zerbinetta-Kombattanten der „Ariadne“ (Nr. 10): das leicht Augenzwinkernde mancher der brahmsischen Walzerseligkeiten blieb gewahrt.

Bitterer Ernst war vorher in Robert Schumanns „Frauenliebe und Leben“ präsent gewesen, wo Katharina Magiera die acht Chamisso-Gedichte sang, die Schumann 1840 vertonte. Die träumerisch erhoffte und finaliter in träumerischer Innenwelt verwahrte, einstmals mit Mann und Kind geteilte Liebe – das kam in der schönen, tragenden Stimme Magieras bei eher harter und unspezifischen pianistischer Begleitung durch Simone Di Felice zum Ausdruck. Und das den klingenden Umständen durch den unentbehrlichen Volumenbringer Publikum zum Trotz.

Zusätzliche Karten:Die Oper Frankfurt hat kurzfristig für alle Veranstaltungen im Juni und Juli noch Karten zur Verfügung, da das Land Hessen vom heutigen Montag an mehr Zuschauerinnen und Zuschauer, maximal 250, zulässt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare