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Liebende Seele

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Zu Gast in der Alten Oper Frankfurt: Thomas Hengelbrock, Klaus Maria Brandauer, die Sopranistin Katharina Konradi und das NDR Elbphilharmonie Orchester.
Zu Gast in der Alten Oper Frankfurt: Thomas Hengelbrock, Klaus Maria Brandauer, die Sopranistin Katharina Konradi und das NDR Elbphilharmonie Orchester. © Pro Arte

Thomas Hengelbrock und Klaus Maria Brandauer widmen sich in Frankfurt Beethovens "Egmont"-Musik.

Der seltene Versuch, Ludwig van Beethovens „Egmont“-Musik in ihren ursprünglichen Zusammenhang zu bringen gelang jetzt in der Alten Oper Frankfurt außerordentlich wirkungsvoll. Zu Gast waren Thomas Hengelbrock und das von ihm geleitete NDR Elbphilharmonie Orchester, die das Projekt schon im September zu Hause probiert hatten. Auch beim Pro-Arte-Konzert traten sie in Begleitung des Schauspielers Klaus Maria Brandauer und der am Staatstheater Wiesbaden beschäftigen Sopranistin Katharina Konradi an.

Nach früheren Versuchen war es Franz Grillparzer, der Passagen aus Johann Wolfgang von Goethes Schauspiel wählte und dazu eine Art Erzählerstimme einführte. Auf dieser Basis stellten wiederum Hengelbrock und Brandauer ihre eigene Fassung her. Auch auf die Gefahr hin, dass Beethovens Musik zuweilen den effektvollen Hintergrund für Brandauers Deklamation bot, griffen Text und Orchestergeschehen unheimlich theatralisch ineinander. Den musikalisch berühmtesten Teil, die meist losgelöst gespielte Ouvertüre, hörte man so als verzweifelte Aufwallung gegen den Krieg: Beginn einer breiten Farbpalette privater und politischer Empfindungen und Ereignisse. Wobei das Politische bei Goethe immer auch etwas Privates, zutiefst Individuelles ist – Brandauer (leider übers Mikroport zum Teil sehr schlecht zu verstehen) machte es mit jedem Fingerzeig großartig vor.

Auch in der Form herrschte Reichtum, es gab Einsprengsel des Orchesters, zwei von Konradi engelhaft zärtlich vorgetragene Lieder als lebensvoll liebendes Klärchen, schließlich wurde die vergessene Form des „Melodrams“ getestet: Brandauers rhythmisch sich einpassende Stimme in engster Verzahnung zur Musik. Am Ende erlosch das Licht wie im Theater. Eine überzeugende Unternehmung gegen die Routinen des Konzert-, Opern- und Theaterbetriebs, eine Erinnerung auch daran, dass Freude am Experiment keine Spezialität bloß dieser Tage ist.

Im ersten Teil gab es Beethovens 4. Sinfonie. Hengelbrock, der auswendig dirigierte, begann so langsam, dass Mahler-Nähe aufklang. Im Verlauf ergab sich ein ungemein lebhaftes, teils rasantes, heftiges Bild in erschütternd vollendeter Ausführung.

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