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Jetzt in echt: Fraktus.
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Jetzt in echt: Fraktus.

Fraktus in Frankfurt

So ’ne Art Lesung

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Es gibt sie jetzt tatsächlich: Fraktus spielen in der Frankfurter Union-Halle Achtziger. Dabei zeigen Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger, dass es sich bei Fraktus um drei der begnadetsten Quatschköpfe unserer Zeit handelt.

Ein Bonmot besagt, dass der, der sich an die Achtziger erinnern könne, sie nicht erlebt habe. Jeder, der die Achtziger erlebt hat, weiß, dass da was dran ist.

Zum Glück gibt’s Fraktus. Wer jetzt in den Achtzigern groß geworden ist und sich nicht an Fraktus erinnern kann: halb so wild. Fraktus gab’s damals gar nicht. Fraktus sind eine Erfindung von Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger, die man auch als „Studio Braun“ kennt und bei denen es sich um drei der begnadetsten Quatschköpfe unserer Zeit handelt. Fraktus ist eine fiktive Band, es gibt einen Film dazu, eine Mockumentary, in der echte Musiker ihre Verehrung für die Band, die es nie gegeben hat, kund tun. Das alles ist enorm komisch und war 2012 so erfolgreich, dass es Fraktus jetzt tatsächlich gibt. Und sie in der Union-Halle Frankfurt spielten.

Seltsam: die meisten Besucher des Konzerts standen selbst Ende der Achtziger noch nicht einmal als Joghurt im Kühlregal. Als echter Achtziger-Zeitzeuge kommt man sich vor, als habe man zu der Ü-40-Party im Südbahnhof gehen wollen und sei aus Versehen auf der Semesterfete der Hochschule für Gestaltung gelandet. Gleich am Eingang, neben dem Stand, der Fraktus-Fanartikel anbietet, steht ein Informationsstand der „Partei“, jener politischen Chaostruppe, hinter der das Fachblatt Titanic steckt. Und tatsächlich, da steht Titanic-Chefredakteur Leo Fischer, mit dem man über die Achtziger plaudern könnte, weil immerhin Jahrgang 1981. Und gerne würde man den jungen Mann an seinen Erfahrungen teilhaben lassen: „Hör mal, es war nicht alles gut damals. Die Frisuren waren scheußlich. Und einen gescheiten Milchkaffee gab’s auch nirgends.“ Aber Fischer ist nicht hier, um zu lernen, sondern um Fraktus zu hören. Immerhin hat Heinz Strunk für die Partei auch schon in Hamburg kandidiert.

Mischung aus Kraftwerk, Laibach, DAF und Heino Jaeger

Gegen halb neun betreten Fraktus die Bühne, ihr Bühnenprogramm bietet eine gesunde Mischung aus Kraftwerk, Laibach, DAF und Heino Jaeger. Das ist eigentlich das Beste, was man über eine Show sagen kann. Und die jungen Leute sind begeistert. Aber man selbst hat das alles halt schon gehört, vor vielen Jahren, und manchmal sogar ein bisschen besser. „Bombenalarm“ von Fraktus ist nicht übel, aber „Hubschraubereinsatz“ von Foyer des Arts war noch ein wenig größer. Damals hieß der Sänger übrigens Max Goldt. Hat dann auch jede Menge geschrieben für die Titanic. Und auf einmal fällt einem auf, dass man hier überhaupt nicht auf einem Konzert ist, sondern auf einer Art Lesung von „Studio Braun“. Über die Achtziger. Mit postmoderner ironischer Brechung und so. Daher das ganze Jungvolk.

Man sollte es den jungen Leuten überlassen, nach dem Konzert in den angesagten Clubs der Hanauer Landstraße die Gnade der späten Geburt zu feiern. Der Achtzigererleber geht etwas melancholisch nach Hause, gießt sich einen Batida de Coco ein, stopft sich die Schulterpartien mit Klopapier aus und legt die beste Duran-Duran-Scheibe, die mit den drei Buchstaben, auf. „And the sun drips down bedding heavy behind / The front of your dress, all shadowy lined / And the droning engine throbs in time/With your beating heart / Sing Blue Silver.“ Es war nicht alles schlecht damals.

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