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Lebenskampf

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Der schwedische Komponist Allan Pettersson (1911-1980) gehört zu jenen Künstlern, bei deren Oeuvre es sich auf radikale Weise um verdichtete Autobiografie

Der schwedische Komponist Allan Pettersson (1911-1980) gehört zu jenen Künstlern, bei deren Oeuvre es sich auf radikale Weise um verdichtete Autobiografie handelt. In seinem Fall um die "Sublimierung" unerträglicher Schmerzzustände (infolge einer arthritischen Krankheit) in musikalische Protokolle, bei denen das dramaturgische Prinzip "Durch Nacht zum Licht" variiert wird kraft der realistischeren Dynamik einer die Schmerz- und Panikattacken mildernden Beruhigung. Das ungeschönte Vokabular der Moderne gibt Petterssons Idiom dabei ein Surplus gegenüber konventionellen Ausdrucksformen. Dem vom selben Label über die Jahre veröffentlichten Zyklus der 17 Symphonien schließt sich gleichrangig das 2. Violinkonzert (1977/78) an; Lebenskampf manifestiert sich hier besonders schlüssig als Expression einer Einzelstimme inmitten von Obsessionen, Störfeuern, Gewaltandrang. Die Violine behauptet sich im Untergang - auch mit einer alle Dissonanzstiche und Geräuschfeuerstöße aushaltenden Kantabilität. Isabelle Keulens Solopart bewahrt ohne Salbung das Tröstliche des auf seine Befreiung hinsingenden Geigentons. Das Schwedische Radiosymphonieorchester mit dem Dirigenten Thomas Dausgaard stellt klar, dass Petterssons Musik - mindestens so wie die Beethovens - niemals etwas anderes ist als der ausgestreckte Grünewald'sche Zeigefinger auf die menschliche Existenz (cpo 777 199-2 , Best. Adr.: Lübeckerstr.9, 49124 Georgsmarienhütte).

Die drei Wünsche

Hervorragend: Berg/Webern/Schönberg (Lieder und Orchesterwerke), Orch. Musikkollegium Winterthur, Jac van Steen; Dabringhaus und Grimm MDG 901 1425-6. Vielfältige Aspekte der Zweiten Wiener Schule.Bemerkenswert: Ravel, Daphnis et Chloe (Ballett); Bordeaux Opera Chorus, Orch. National Bordeaux Aquitaine, Laurent Petitgirard; Naxos 8.570075. Opulent rauschhaft.Extravagant: Julius Röntgen, 3. Symphonie, Suite aus Jotunheim; Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, David Porcelijn; cpo 777 118-2. Holländische Symphonik zwischen Brahms und Ofenbank.

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