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Für die lebenden und toten Mütter

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Von: Gerd Döring

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Nomfusi Gotyana und Cyrille Aimée beim Rheingau Musik Festival und der "Ladies? Night" auf Schloss Vollrads.

Erste Erfolge hatten sie schon, große Erfolge sogar. Aber immer noch zählen sie beide zu den aufgehenden Sternen in einem Metier, in dem die Konkurrenz beachtlich ist. Sängerinnen zwischen Pop, Soul und Jazz gibt es viele. Zwei der talentiertesten waren jetzt eingeladen zur „Ladies’ Night“ beim Rheingau Musik Festival auf Schloss Vollrads: die aus Frankreich stammende, heute in New York lebende Cyrille Aimée und Nomfusi Gotyana, geboren in einer Township in Johannesburg.

Nach zwei nur in ihrer Heimat veröffentlichten CDs hat Nomfusi gerade ihr erstes Album international veröffentlicht. Auf „African Day“ präsentiert sie eine Melange aus Soul, Rock und südafrikanischer Rootsmusik, wenn sie etwa im Titelsong die für die Lieder ihrer Heimat typischen Klicklaute einstreut. In den Rheingau gekommen ist sie mit einer leider wenig sensibel aufspielenden Band und einer Hommage an die große südafrikanische Sängerin Miriam Makeba. Vor Jahren schon hat Nomfusi im Film die junge Makeba verkörpert, im Konzert erinnert sie nun an „Mama Africa“ und ihren Welthit „Pata Pata“. Erst zögerlich, dann aber erfolgreich löst sich die starre Sitzordnung auf, es wird rechts und links der Stuhlreihen getanzt und mitgeklatscht. Auch wenn die Musik heiter klingt, so stellt Nomfusi klar, erzählt sie aber auch von dunklen Momenten, so etwa in „My Mother’s Spear“, das sie der HIV-infizierten und früh verstorbenen Mutter widmet. Energie und eine soulige Stimme zeichnen die Sängerin aus, musikalisch aber tritt sie mit ihrem Ensemble etwas auf der Stelle.

Den undankbaren Part zum Auftakt hatte die Jazz-Sängerin aus Fontainebleau. Noch ein wenig unruhig ist es. Gerade den atmosphärisch so dichten Songs der jungen Kosmopolitin – Cyrille Aimée singt auf Englisch, Französisch und Spanisch – hätte die abendliche Dämmerstimmung des Schlossparks gut zu Gesicht gestanden. Aimée verbindet als Sängerin und Komponistin auf ganz eigene und bemerkenswerte Weise den Jazz Manouche ihrer Heimat mit klassischem Jazzgesang. Die Musik eines Django Reinhardt hat sie kennengelernt im Festivalort Samois-sur-Seine und ihre beiden Gitarristen Michael Valeanu und Adrien Moignard spielen denn auch im Stil des Meisters.

Mit „It’s a Good Day“ startet der Abend jazzaffin, in ihrem Repertoire finden sich Chansons von Edith Piaf und Vanessa Paradis, aber auch ein Lied Juan Luis Guerras. Letzteres eine Reverenz an die Heimat ihrer Mutter, ist sie doch auch aufgewachsen mit der Musik der Karibik, mit Merengue und Salsa. Heute lebt Aimée in New York, hat in den USA studiert und dort auch eine Basis gefunden.

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