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Trini Lopez am 16. Februar 1964 in der Berliner Deutschlandhalle.

Trini Lopez

Lebe wohl, Daisy Girl

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Der US-Sänger Trini Lopez ist gestorben. Er vermochte es, selbst Protestlieder fröhlich klingen zu lassen

Auf dem Weg nach Kansas („I’m goin’ to Kansas City, Kansas City here I come“) schlug er einen rockigen Ton an, der trotz der auftrumpfenden Ansage aber immer leicht und beschwingt schien. Die Pose erinnerte an den 1959 bei einem Flugzeug-Absturz ums Leben gekommenen Rockstar Buddy Holly. Trini Lopez aber wirkte weniger rebellisch und trug zu seinem Rock’n’Roll-Dasein Anzug und Fliege.

Tatsächlich war es der Vater von Buddy Holly, der Lopez und dessen erste Band The Big Beats mit Norman Petty in Verbindung brachte, dem Produzenten Buddy Hollys.

Der 3. Februar 1959, das Todesdatum Buddy Hollys, war für viele der Tag, an dem die Musik starb. So jedenfalls hat es Don McLean in seinem Jahrhundertsong „American Pie“ formuliert, und so stand es auch für Trini Lopez nicht zur Debatte, unmittelbar an sein großes Vorbild anzuknüpfen. Trini Lopez, 1937 in Dallas, Texas geboren, machte sich die mexikanische Herkunft seiner Eltern früh auch musikalisch zu eigen, indem er seinen Rock- und Popadaptionen stets eine kräftige Latino-Mischung beimengte, etwa in Pete Seegers „If I Had a Hammer“, der durch Trini Lopez zu einem leicht konsumierbaren Gassenhauer wurde, obwohl der Barde Seeger das Stück doch eigentlich als gesellschaftskritische Hymne verfasst hatte („I‘d hammer out danger, I‘d hammer out a warning“). Es war der Gestus des Mahnens und Warnens im Gewand eines fröhlichen Schlagers.

Rock’n’ Roll im Anzug

Gerade mit dieser sich immer wieder auch am Repertoire des Great American Songbook versuchenden Leichtigkeit, etwa Woody Guthries „This Land Is Your Land“, hatte Trini Lopez in den frühen 60er Jahren seinen großen Erfolg. Bis 1968 konnte er sich mit 13 Titeln in den Charts platzieren.

Auch die Hitlisten in Großbritannien und Deutschland verzeichneten mehrere Trini-Lopez-Titel. Das brachte sein Management letztlich auf den Gedanken, ihn auf einen in Deutschland bevorzugten Schlager-Charme zu trimmen. 1965 brachte das Plattenlabel Ariola zwei deutschsprachige Singles heraus, mit „Lebe wohl, Daisy Girl“ kam Lopez auf Platz 39 der deutschen Hitlisten.

Über die Freundschaft mit Frank Sinatra gelangte Trini Lopez Ende der 60er Jahre dann auch ins Filmgeschäft. Gemeinsam mit dem großen Showkollegen gab Lopez sein Filmdebüt in „Marriage On The Rocks“, 1973 spielte er seine erste Hauptrolle in dem Film „Antonio“. Für sein karitatives Engagement und für seinen Einsatz zur Verbesserung der internationalen Beziehungen wurde Lopez vom US-Kongress zum Goodwill-Botschafter der Vereinigten Staaten ernannt.

Jetzt wurde bekannt, dass Trini Lopez am Dienstag in Rancho Mirage, Kalifornien im Alter von 83 Jahren an den Folgen von Covid-19 gestorben ist.

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