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Lael Neale singt auch vom Wäsche zusammenlegen.
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Lael Neale singt auch vom Wäsche zusammenlegen.

Lael Neale

Leal Neale „Acquainted With Night“: Traurigkeit heißt zu viel Gefühl

  • VonStefan Michalzik
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Mit dem warmen Orgelklang des Omnichords: Lael Neale und ihr Album ,,Acquainted With Night“

Der Zauber dieser Musik erwächst aus ihrem monochromen Charakter. Eine hell tönende, vom Folk geprägte Stimme, begleitet von einem warmen elektronischen Orgelklang. „Acquainted With Night“, das zweite Album der auf einer Farm im US-Bundesstaat Virginia aufgewachsenen und heute in Kalifornien lebenden Sängerin und Songwriterin Lael Neale, ist eine Sammlung melancholischer Lieder von ungebrochener Schönheit. Schleppend sind die Rhythmen, ernstlich aufgebrochen wird die Langsamkeit nicht ein einziges Mal über die ganzen vierzig Minuten hinweg.

Kaum jemand nahm Notiz

Mit der Arbeit im Aufnahmestudio hat Lael Neale nicht die besten Erfahrungen gemacht. Ihr Debütalbum „I’ll Be Your Man“ (2015) wartet mit einer Sammlung recht schöner Folksongs auf, die ziemlich üppig arrangiert sind. Kaum jemand nahm davon Notiz, es mangelte einfach an dem Besonderen. Die Produktion von „Acquainted With Light“ – Vertraut mit der Nacht, der Titel geht auf den eines Buches von Robert Frost zurück –, ihrem zweiten Album, ist geprägt von einer Lo-Fi-Ästhetik. Neale hat es mit einem Vier-Spur-Kassettenrekorder zuhause in ihrer Wohnung eingespielt. Die Aufnahmen wurden nur behutsam ein wenig nachbearbeitet.

Das Album:

Lael Neale: Acquainted With Night. Sub Pop/Cargo.

Das Instrument mit dem warmen Klang ist das Omnichord, eine Mischung aus elektrischer Orgel, Harfe und Beatmaschine, mit Knöpfen und schreibmaschinenartigen Tasten und einem auf Berührung reagierenden Sensorfeld für harfenähnliche Klänge. Auf das Omnichord, hat Lael Neale in einem Interview gesagt, sei sie gestoßen, weil sie nach dem Ursprung eines Orgelsounds von einem bestimmten Song gesucht hatte, der einem Freund zufolge auf ein Novachord aus den vierziger Jahren zurückgeht.

Heute eine Rarität, die kaum noch aufzutreiben ist. Daraufhin hatte der Freund ihr zum klanglich verwandten Omnichord geraten. Dieses Instrument haben David Bowie, Brian Eno und Cyndi Lauper eingesetzt, in der deutschen Popmusik prominent die Neue-Deutsche-Welle-Gruppe Trio in ihrer Weihnachtsnummer „Turaluraluralu“ (1983). So richtig durchgesetzt hat es sich jedoch nie.

Einige der Songs sind ganz sparsam mit kargen scheppernden Beats unterlegt, wie sie für das Omnichord charakteristisch sind, das Gros kommt ohne aus. Zu Beginn, in „Guardian Angel“, taucht eine akustische Gitarre auf, später eine Querflöte; weitreichend jedoch ist das Omnichord das einzige Begleitinstrument. Selbst wenn die Beats mal etwas getriebener tuckern, wie im Titelsong, wahrt das Omnichord den Charakter des Harmonisch-Getragenen.

In den Texten Lael Neales geht es um momenthafte Alltagsbeobachtung wie in „Every Star Shivers in the Dark“ auf einem Spaziergang durch Los Angeles, oder darum, wie das lyrische Ich Wäsche zusammenlegt, in „For No One For Now“. Dahinter stehen immer wieder Variationen um das Motiv einer ersehnten Geborgenheit in der Liebe. „Sadness/another word for feeling too much“, heißt es in ,,Third Floor Windows“.

In der kritischen Rezeption kehrt der pophistorische Vergleich zu der Band Mazzy Star und ihrer auch als Solistin erfolgreichen Sängerin Hope Sandoval immer wieder. Mögen gewisse oberflächliche Parallelen auch offenbar sein, so ist die Musik von Lael Neale doch nicht so ätherisch und narkotisch wie die von Mazzy Star; auch fehlt das psychedelische Moment. Die Melancholie ist eine ohne Düsternis. In der Traurigkeit ist immer noch ein Hoffen zu spüren.

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