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„Layers“ von Schmid’s Huhn: Trittsichere Gratwanderung

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Von: Hans-Jürgen Linke

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Den Band-Namen „Schmid’s Huhn“ kann man sich gut merken

Vielleicht sollte man den Namen kurz erklären: Zwei Saxofonisten, Stefan Karl Schmid und Leonhard Huhn, mit durchaus ähnlichem Temperament, aber auch vielen belebenden Differenzen, haben sich zusammengetan und eine Band gegründet. Das ist schon gut ein Jahrzehnt her, es scheint sich also um eine recht haltbare musikalische Beziehung zu handeln. Beide phrasieren rhythmisch lässig und präzise zugleich, dabei virtuos, mit langen Melodiebögen, überraschenden Intervallen und Verläufen. Die Musik ist eklektizistisch, oft kontrapunktisch angelegt, was sich aber auch zuweilen in konsonanten oder parallelen Phrasen konterkariert.

Ein Reichtum an Stilzitaten

Eine nachdrückliche Freigeistigkeit und ein verschwenderischer, subtil aufgefächerter Reichtum an Stilzitaten sind charakteristisch. Der Band-Klang ist überaus eigenständig, warmherzig und raffiniert. Immer wieder machen die beiden Saxofonisten sich und ihrer Hörerschaft viel Freude mit ihren sich umschlingenden Linienwerken und farblichen Kontrastbildungen.

Das ALbum:

Schmid’s Huhn: Layers. Shoebill Records.

Als Bandleader sieht sich im Falle dieser Formation keiner von beiden. Sie haben auch ungefähr paritätisch zu den Kompositionen des Albums „Layers“ beigetragen.

Schmid und Huhn sind weniger an Energieverausgabung und exaltierten Artikulationen interessiert als an Zwischentönen und artikulatorischen Frei- und Feinheiten. Beide spielen (darum) auch Klarinette. Und beide sind mittlerweile vielfach gefragte und prägende Musiker der jüngeren Kölner Szene, einer von ihnen, Stefan Karl Schmid, hat mittlerweile eine Professur in Mannheim inne. Die Rhythmus-Fraktion der Band, bestehend aus Stefan Schönegg, Kontrabass, und Fabian Arends, Schlagzeug, ist genau wie die Bläser an subtileren Vorgängen, Klängen, Nuancen interessiert.

Die vier Musiker kombinieren sich miteinander zu einer vielschichtigen Stilistik, die auf klare Bekenntnisse in bestimmte Richtungen verzichtet und damit viel Raum gewinnt. Es ist ein Raum zwischen Free-Jazz-Avantgarde und kontrapunktisch-traditionellem Cool Jazz, und auf effektvoll gebändigte Weise schwingt oft auch eine Reminiszenz an den guten, alten und immer hübsch nervös inszenierten Bebop mit.

Das Album versammelt eine strenge Auswahl von Stücken, die während einer Konzertreihe im Kölner Club Subway aufgenommen wurden. Die Reihe zog sich über fünf Abende und lieferte mehr als genug Material, so dass die Auswahl mit Sorgfalt stattfinden konnte. Das sowie eine präzise post production führten dazu, dass nirgends live-Verunreinigungen erkennbar sind, und die Abmischungs-Ergebnisse werden den elegant-egalitären Schichtungen des Band-Klanges gerecht.

Ein Hauch von Studio-Strenge schwebt in und über diesen Live-Aufnahmen, und ein Hauch von Spontaneität prägt die spielerische Raffinesse des Quartetts. Schmid’s Huhn ist auf einer ständigen Gratwanderung unterwegs, getragen von vierfacher Trittsicherheit. Niemand stürzt ab, und die Musik ist von zauberhafter Leichtigkeit.

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