+
Isabelle Geffroy alias Zaz auf Europatournee.

Frankfurt

Laut, ehrlich und französisch

  • schließen

Die großartige Zaz ist in der Frankfurter Festhalle angekommen.

Endlich die Festhalle. Zaz hat es langsam angehen lassen, nachdem sie 2010 mit ihrem Hit „Je veux“ von der Straßenmusikerin zum Star wurde, sich nur nach und nach in größere Säle vorgetastet. In Frankfurt gab sie sich vor zwei Jahren noch mit der Jahrhunderthalle zufrieden.

Jetzt, am Beginn der Europatournee zum neuen Album „Effet Miroir“, gibt sie ihr erstes von drei Deutschlandkonzerten in der Festhalle. Auch klanglich hat Zaz sich vergrößert: Wie auf dem neuen Album kommen im Konzert oft rockige Töne der fünfköpfigen Band (zwei Gitarren, Bass, Keyboard, Drums) zu Gehör. Zunächst aber ist die akustische Vorgruppe dran. Der Rive-Gauche-Jazz des Trios „Gipsy Traffic“ verliert sich in der großen Halle leider etwas.

Zaz, 1980 als Isabelle Geffroy in Tours geboren, hat in Bordeaux Musik studiert und in Bands gespielt, bevor sie in Montmartre auf der Straße und im Kabarett „Aux Trois Mailletz“ sang. Zwischen dem Debüt „Zaz“ und der neuen CD hat sie nur ein weiteres Album mit eigenen Liedern und eines mit klassischen Paris-Chansons veröffentlicht. Und sie ist viel gereist, hat gemalt, eine Trennung verarbeitet.

„J’parle fort et je suis franche, excusez-moi“, heißt es in „Je veux“ – Frankophilie ist unter den Fans von Zaz epidemisch. Wer nur „Gare du Nord“ versteht, kann oft genug bei „Lala“ und „Ohoho“ mitsingen; im Festhallen-Chor überwiegen Sopran und Alt deutlich.

Zaz kommt sympathisch rüber, singt von sich selbst, von ihrem bislang unerfüllten Kinderwunsch („Demain c’est toi“) und der Trauer um die Opfer des Terroranschlags auf die Pariser Konzerthalle Bataclan („On s’en remet jamais“). Hochenergetisch haut sie mal eben ein Solo am Theremin oder auf dem Kazoo raus.

Im Mittelteil spielt die Band ein verjazztes Akustik-Set, vor allem Anciennes Chansons wie Maurice Chevaliers „Paris sera toujours Paris“ und „Oublie Loulou“ des im vergangenen Oktober gestorbenen Charles Aznavour. Sein Konterfei grüßt melancholisch von der Projektionsfläche. Dann wieder fette Rockbretter mit zweistimmigen Gitarrensoli und fast clubtaugliche Nummern.

Die grandiose Stimme von Zaz kommt in den transparenteren Songs deutlich besser zur Geltung. Klar, ihre kratzige, oft fast brüchige Anderthalb-Päckchen-Zigaretten-am-Tag-Stimme kann auch Rock röhren. Ihr Alleinstellungsmerkmal sind aber die zwischen Nouvelle Chanson und Folk-Pop changierenden, oft mit einem Schuss Karibik angereicherten legeren Lieder. Zumal im ungnädigen Sound selbst Zaz’ Powerstimme in vollsaftigen Arrangements abzusaufen droht.

Unter den Zugaben beweist das gesprochene „Laponie“, dass Zaz auch das Telefonbuch von Saint-Germain-des-Prés vorlesen könnte, und es klänge faszinierend. Nach üppigen 28 Liedern in zwei Stunden wirkt die Chansonnière, als hätte sie Energie für zwei weitere Stunden. Noch lange wirft sie Kusshände ins Publikum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion