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Andris Nelsons, wieder ohne Bart.
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Andris Nelsons, wieder ohne Bart.

Alte Oper Frankfurt

Lauern und walzen

Grandios: Andris Nelsons und Yefim Bronfman mit dem Koninklijk Concertgebouworkest in der Alten Oper Frankfurt.

Der Klassikbetrieb brodelt und brütet immer wieder neue Variationen aus. Beide Hauptfiguren des Abends waren vor wenigen Tagen erst im Frankfurter Konzert zu erleben, der Dirigent Andris Nelsons mit den Wiener Philharmonikern, Pianist Yefim Bronfman mit den HR-Sinfonikern. Nelsons war nicht nur wieder bartlos, sondern dirigierte auch keineswegs so einhändig wie kürzlich Beethovens „Pastorale“. Dmitri Schostakowitschs 11. Sinfonie zeigte ihn vielmehr im Dauerlauerhaltung, geht es hier doch sehr wohl darum, das riesige Orchester zu bändigen und lediglich sehr gezielt und kalkuliert loszulassen (scheinbar loszulassen).

Das Koninklijk Concertgebouworkest aus Amsterdam war Wachs in Nelsons’ ihrerseits prankenhafter Linker. Dass Schostakowitschs Sinfonie von 1956/57 Bilder der (gescheiterten) Russischen Revolution von 1905 malt, war tatsächlich mit Händen zu greifen – auch weil Nelsons mit dem „attacca“ ernst machte und die Sätze bruchlos als einzige große sinfonische Dichtung spielen ließ.

Die Stimmung auf dem „Platz vor dem Palast“ blieb unerträglich flirrend angespannt – hier zeigte sich besonders deutlich, wie Nelsons die Atemlosigkeit keinen Augenblick lockerte, sie vielmehr ins Ewige zog (dorthin, wo Schostakowitsch und Mahler sich treffen). „Der 9. Januar“, als Petersburger Blutsonntag in die Geschichte eingegangen, bot das Wuchtige neben dem aussichtslos Fahlen. Aus dem zunächst stacheligen „Sturmgeläut“ erwuchs schließlich eine Klangwalze, die den Bürger erschreckt und entzückt (so dass ihm unbehaglich werden kann) und den Musikfreund wie den Westentaschenrevolutionär daran erinnert, dass immer alles eine Frage der Organisation ist. Umwerfend, wie Nelsons und das großbesetzte Orchester ein feinstes Pianissimo gerade noch hören ließen. Auffallend, wie sich die Disziplin auf das Publikum übertrug.

Zuvor war im ersten Teil ein anders geartetes, aber ebenfalls effektvolles Schwergewicht zu hören, Sergej Prokofjews 2. Klavierkonzert. Man erlebte, wie Bronfman auf den Wassern der Musik und der Tasten wandelte, souverän bei höchsten Anforderungen, die auch einem exaltierteren Klavierspieler keine Zeit für Allüren gelassen hätten. Das Orchester begleitete ihn durch alle Einfälle hindurch und wenn es wie im Finale stürmisch wurde, durchaus mit einer Art Todesmut.

Nelsons, sichtbar erschöpft, verabschiedete sich mit der international verständlichen Geste, dass es Zeit zum Schlafen sei. Zuhörer können dann sehen, wohin mit ihrer Aufgewühltheit.

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