Rebecca und Megan Lovell im Januar in Los Angeles.
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Rebecca und Megan Lovell im Januar in Los Angeles.

Neue Alben

Larkin Poe, Blanche und Emma Elisabeth: Die Selbstmachfrauen dürfen das

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Neue Alben, aber auch alte Songs von Sängerinnen aus dem europäischen Norden und dem Süden der USA.

Wurzelig: Die zwei Frauen in der ersten Reihe der US-Band Larkin Poe müssten eigentlich die Nachfahrinnen eines der Urväter des Blues sein. Tatsächlich sind sie aber Ururenkelinnen eines Cousins von Edgar Allan Poe, und außerdem sind sie, wie sie vor einem Jahr im Frankfurter Zoom wissen ließen, „voller Yeehaws und Whew-whew-whews“. Ähnliche Begeisterungslaute lassen sich ihrem aktuellen Album zurufen. „Self Made Man“ ist ein absolutes Brett, dominiert wie stets von Rebecca Lovell (29, Gesang) und Megan Lovell (31, Lap-Steel-Gitarre) und in besonders schönen Momenten auch vom Zweiergesang der Schwestern.

Larkin Poe: Self Made Man. Tricki-Woo Records.

Sie stellen sich gern als „Baby Sister“ und „Big Sister“ vor. Zu ihrem fünften Langspieler inspirierte sie – außer den Südstaatenwurzeln – eine Weltreise. Zurück nach Atlanta kamen die Damen bärenstark mit erstaunlichen Erkenntnissen wie jener aus dem Titelsong: „Like it or not I don’t give a damn/ Lord, have mercy, I’m a self-made-man.“ Ob’s dir gefällt oder nicht/Gott, steh mir bei – ich bin ein Selfmademan.“ Bitte laut abspielen. Yeehaw.

Ohrig: Ein bisschen gemein, dem Video zu Blanches Hit „City Lights“ auf Youtube eine Werbung für einen neuartigen Ohrenreiniger voranzustellen, mit ziemlich expliziten Bewegtbildern des Ohrreinigungsvorgangs. Das hat Blanche nicht verdient. Freunde des europäischen Liederwettbewerbs ESC horchten auf, als die Belgierin 2017 in Kiew den vierten Platz holte.

Blanche: Empire. Pias Recordings.

Hier ist nun das erste Album der 21-jährigen Sängerin. Es enthält viele schöne Melodien, mit dezenter Zurückhaltung vorgetragen, die doch – Pardon – ins Ohr gehen. Gewissermaßen der ätherische, synthetisch begleitete Gegenentwurf zu den rauen Rocksongs der oben erwähnten Kolleginnen aus den Vereinigten Staaten, mitunter durchaus tanzbar.

Kultig: Radiohörer möchten sich seit einigen Jahren unterm Küchentisch zusammenrollen und weinen, wenn wieder ein Pop-sternchen unsere Lieblingslieder von einst „neu interpretiert“. Das bedeutet meist: Schändung unter Einsatz des Klangspektrums einer Billigorgel aus dem Baumarkt samt Gesang, der klingt, als sei er beim Augenbrauenzupfen/Barttrimmen vorm Badezimmerspiegel entstanden. Schnitt. Und jetzt zu Emma Elisabeth. Darf irgendjemand auf der Welt das Lied „Stop Me If You Think You’ve Heard This One Before“ von den Smiths singen und zum Kauf anbieten außer Morrissey, ohne dass alle schreien: „Stop, das habe ich schon mal gehört, das geht so nicht, sofort aufhören“? Ja, Emma Elisabeth darf das. Muss das sein, dass heute noch jemand „Born To Be Wild“ von Steppenwolf nachspielt? Ja, wenn es Emma Elisabeth ist.

Emma Elisabeth: Cover Stories. Ferryhouse

Wer will denn jetzt noch neue Versionen von „Paranoid“ (Black Sabbath) oder Fleetwood Macs „The Chain“ oder „Howl“ (Black Rebel Motorcycle Club) hören? Alle, wenn die 36-jährige Schwedin die Songs spielt. Es ist nämlich so: Die Frau macht schon seit einiger Zeit Musik und singt eigene Kompositionen unter dem Namen Betty Dittrich. im Jahr 2016 aber setzte sie sich hin, sang berühmte Songs nach, spielte fantastisch hintergründig Gitarre dazu – und nahm das Ganze mit einem altertümlichen Tonbandgerät auf. Jetzt ist das Ergebnis als Album unter ihrem neuen Interpretinnennamen erschienen. Die Frau heißt nämlich Emma Elisabeth Dittrich. Komischer Name für eine Schwedin. Ihr Vater wurde in Deutschland geboren. Thomas Stillbauer

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