Alte Oper Frankfurt

„Die lange Nacht“ der Filmmusik in der Alten Oper: Spiel’s noch einmal

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Der Fokus „Exodus nach Hollywood“ in der Alten Oper Frankfurt geht mit einer „Langen Nacht“ zu Ende.

Der dritte Abend des Schwerpunktes „Exodus nach Hollywood“ in der Alten Oper Frankfurt hieß „Die lange Nacht“ und drehte sich ebenfalls um dies und das. Die Überfüllung bekam dem Thema sehr gut, nicht nur schwirrten einem die Sinne, auch die Gier nach mehr trat ganz in jenem hohen Maße ein, das einer funktionierenden Traumfabrik ansteht. Schwierig war nun, dass man sich Stunde um Stunde wieder für ein Ereignis entscheiden musste, während die anderen in den anderen Räumen des Hauses über die Bühne gingen. Wer so etwas nicht leiden kann, wurde ganz kribbelig.

Es konnte beispielsweise auf diese Kombination hinauslaufen: Zunächst – für alle, die schon da waren und in den Großen Saal passten – spielte das auch im weiteren Verlauf vielbeschäftigte HR-Sinfonieorchester unter der Leitung des noch mehr beschäftigten Filmmusikspezialisten Frank Strobel John Williams’ geniale und komplizierte „Star Wars“-Musik. Mit Blick auf den Titel „Exodus nach Hollywood“ natürlich gemogelt, aber eigentlich doch nicht: Vorzüglich passte dazu Erich Wolfgang Korngolds Sinfonische Ouvertüre „Sursum Corda“ (1919), die nachher in dessen „Robin Hood“-Musik einfloss. Auch der langsame Satz aus Gustav Mahlers 5. Sinfonie, Viscontis „Tod in Venedig“-Adagietto, bewies, wie das Kino musikalisch alles griff (und greift), was ihm nutzte, und besonders nutzte (und nutzt) ihm spätromantische Musik aus dem Wiener Umfeld.

Wer danach sitzen blieb, machte nichts falsch. Hanns Eislers intrikate Kammer-Sinfonie von 1940 erklang zweimal – es spielte das Ensemble KNM Berlin, von Strobel dirigiert: Zuerst zeigte sie sich tadellos als eigenständiges Kunstwerk, beim zweiten Mal wurde sie zu der Filmmusik, als die sie entstanden war. Der Lehrfilm „White Flood“, in dem Schulkindern seinerzeit das Werden und Sterben von Gletschern gezeigt wurde, beeindruckt und verschreckt derzeit noch mehr.

Wer danach immer noch sitzen blieb – das war jetzt sehr klug! – erlebte sowjetischen Bombast mit den HR-Sinfonikern und Strobel, aber auch, wie der Bariton Iurii Samoilov locker und gewitzt Dimitri Tiomkins Song aus „High Noon“ darbot.

Nicht immer gab es bewegte Bilder, die dann aber sofort fesselten, wie nur das Kino fesselt. Hart war es bloß, nicht weitergucken zu können: Eisensteins „Iwan, der Schreckliche“ mit Sergej Prokojew oder – in der nächsten Runde im überquellenden Mozart-Saal, auch eine total richtige Entscheidung – Charlie Chaplins „Circus“ mit Eislers genialem Septett „Circus“ und dem KNM Berlin. Oder beim Finale „The Gladiator“ mit Hans Zimmers Musik und dem HR-Sinfonieorchester, selbstredend von Strobel dirigiert. Wobei speziell im „Gladiator“ die hier gezeigte Eingangsszene vom übrigen Film nicht mehr eingeholt wird. Insofern war alles perfekt, gerade im Stückwerk.

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