Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Guerilla Jazz“

Landeck, Grau, Bonica: Nie loslassen

  • VonHans-Jürgen Linke
    schließen

Detlef Landeck, Sven Grau und Joe Bonica spielen zusammen „Guerilla Jazz“.

Cool, Mann. Auf dem Coverfoto tragen sie Sonnenbrillen und ikonische Kopfbedeckungen, Saxofon und Posaune werden eher wie Waffen gehalten. Aber bitte keine Missverständnisse, hier geht es nur um das Spiel. Also etwa darum, keinen Mainstream zu produzieren, nichts Weichgesottenes. „Garagen-Sound“ nennt Detlef Landeck (das ist der mit dem Che-Guevara-Barett) das Klangideal des Trios.

Die Band gibt es schon seit etlichen Jahren, nur, dass sie sich früher GBL Trio nannte, nach den Anfangsbuchstaben der Familiennamen der Bandmitglieder Sven Grau, Tenorsaxofon, Joe Bonica, Schlagwerk, und Detlef Landeck, Posaune. Alle drei sind vielfach beschäftigte Musiker, das Trio hat meist eine eher marginale Existenz im Erwerbsleben seiner drei Mitglieder geführt. „Guerilla Jazz“, das ist, wie der Name nahelegt, risokoreich. Die Musik kommt ohne größeres Mobiliar aus, also zum Beispiel ohne Harmonieinstrument und ohne Kontrabass. Das passt auf Tourneen in ein vergleichsweise kleines Auto.

Aber: Jazz ohne Klavier, das geht ja vielleicht noch. Nur ohne Bass – wer will sowas hören?

Das Album:

Detlef Landeck, Sven Grau, Joe Bonica: Guerilla Jazz. Jazzhaus Musik.

Bassfreies Trio, geht das?

Es gibt, verrät Joe Bonica, ein Vorbild. Ungefähr drei Jahrzehnte ist es her, da hatte sich um den US-amerikanischen Schlagzeuger Joey Baron auch ein bassfreies Trio mit Posaune (Steve Swell) und Tenorsaxofon (Ellery Eskelin) zusammengefunden.

Landeck pflegt auf der Posaune einen scharfen, klaren Ton, der zu klanglichen Differenzierungen in der Lage ist und gern ganz vorn mitmischt. Er gehört seit vielen Jahren zu den prägenden Musikern der Kasseler Szene und erhielt 2008 den Jazzpreis des Landes Hessen, lehrt unter anderem an der Kasseler Universität und leitet in Göttingen die Uni-Bigband. Tenorsaxophonist Sven Grau, ebenfalls aus der Kasseler Szene, schätzt heisere, klangreiche Artikulationen, gelegentlich auch eine attackierende und überaus bewegliche Spielweise. Joe Bonica, als Schlagzeuger einer der prägenden Musiker der Gießener Szene, ist stilistisch vielfältig beeinflusst und kompetent.

Hin und wieder wird Bonicas Bass Drum ein wenig zum Bass-Ersatz aufgeplustert und nach vorn gezogen, aber im Großen und Ganzen herrscht eine trockene, energetisch intensive, schnörkellose Spielweise. Der Stromverbrauch ist äußerst gering. Die Stücke sind klar gebaut, oft ruppig, aber immer mit genauem Klangsinn artikuliert. Es entsteht ein dichter Zusammenhang von Melodie, Rhythmus, Klang und Groove, von Riff, Solo, nächstem Solo und übernächstem Riff. Auch formale oder tonale Ausbrüche und kumulative Passagen behalten ihre klare organisatorische Stringenz. Der Gruppenklang duldet keinen Ballast, kein Füllmaterial, keine Üppigkeit. Nur trockene, frische Linienführungen, fugenlos präzises Zusammenspiel, hellwaches Zuhören. Und keine Ruhephasen. Immer sind alle drei gefordert. Das ist auf der Bühne zweifellos kraftraubend: Immer im Mittelpunkt stehen oder dicht daneben, immer Druck halten, Kraft aufwenden, immer Background-Riff oder Solo, meist nahtlos ineinander übergehend. Nie loslassen können.

Aber ein parodistischer Geist und eine spielerische Heiterkeit durchziehen das Repertoire. Trotz der überschaubaren Instrumentation kommt es zwischendurch zu überraschend wohlklingenden Konstellationen. Die Musik hat ein elastisches kompositorisches Korsett, lässig und virtuos gestaltet. Ihre spielerische Tugend nennt Landeck selbst „fröhliches Explodieren“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare