Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Woods of Birnam
+
Philipp Makolies (l-r), Uwe Pasora, Christian Friedel und Christian Grochau sind Woods of Birnam.

Schauspieler-Band

Längst mehr als ein Experiment: Woods of Birnam

Woods of Birnam stechen heraus unter den Schauspieler-Bands. Dabei ist Christian Friedel und den Ex-Polarkreis-18-Musikern eine Kunst allein zu wenig - das macht sie zu einer Ausnahme.

Dresden - Philipp, Uwe und zwei Christians sind voller Erwartung. Instrumente und ein großes Schaltpult stehen bereit in dem winzigen Probenstudio im Dresdner Industriegelände, das einmal eine Druckerei war.

„Es ist der erste Tag seit Beginn der Pandemie, wo es sich wie früher anfühlt“, sagt Christian Friedel. Der Schauspieler („Das weiße Band“, „Elser“, „Babylon Berlin“) und seine Musikerkollegen sind Woods of Birnam (WOB), seit nunmehr einem Jahrzehnt. Zum Jubiläum haben sie drei neue EPs veröffentlicht und machen „eine kleine feine“ Club-Tour. „Wir wollten trotz aller Schwierigkeiten, rückläufiger Kartenverkäufe in Clubs, 2G und 3G ein paar Konzerte geben“, sagt der 42-Jährige vor dem Auftakt am Samstag in der Elbestadt.

Im nächsten Jahr kommt „Macbeth“

„Wir gehen in einem ganz intimen kleineren Rahmen durch die zehn Jahre Woods of Birnam und lassen die Leute teilhaben, bevor wir im nächsten Jahr endlich "Macbeth" fertig proben können“, sagt Friedel. Der Soundtrack dafür ist schon fertig, kommt aber erst zur Premiere der Inszenierung raus: Anfang September 2022 - mit zweieinhalb Jahren Verspätung.

Auch Friedel hatte trotz Filmdrehs für TV und Kino in der Pandemie mehr Zeit für die Band. „Wenn ich in Dresden bin, mache ich eigentlich fast ausschließlich Musik mit der Band.“ Die früheren Musiker der Dresdner Band Polarkreis 18 indes sind Aufs und Abs gewöhnt. Ganz praktisch haben sie Aufnahmen und Videoproduktionen vorgezogen, um die Durststrecke zu überbrücken. Das positive Interesse an ihrer Tour und Aktionen im Netz während der Abstinenz macht sie zuversichtlich für den Neustart. „Wir sind von Haus aus Optimisten“, sagt Philipp.

Endlich wieder auf Tour gehen

Dabei dosieren WOB ihre Präsenz in Social Media, entziehen sich der üblichen Maschinerie der Branche. Permanentes Posting passe nicht zum künstlerischen Anspruch, obwohl ihre Zielgruppe von 18 bis „open end“ reicht, wie Bassist Uwe sagt. Ihre Gedanken und Gefühle stecken auch in den neuen Songs. Die Tour sei „wie eine musikalische Impfung“.

Die Arrangements entstehen im Diskurs und sind erst fertig, wenn alle dahinterstehen. „Philipp und ich komponieren die meisten Songs zusammen, treffen uns zu nächtlichen Sessions und bringen sie dann in den Bandkosmos ein“, skizziert Friedel den Prozess. Bei den Proben gebe jeder etwas dazu, „dass es ein Band-Song wird“. Da werde heftig diskutiert, „konstruktiv und auf Augenhöhe“.

Bis dahin aber brauchte es Zeit. Nach dem Debütalbum 2013 verpoppten sie „Hamlet“ und machten in der Inszenierung mit Friedel in der Titelrolle am Dresdner Staatsschauspiel erstmals Furore. Sie vertonten Weiteres von Dramatiker William Shakespeare und Meisterwerke der Dresdner Gemäldegalerie, schrieben einen Soundtrack für „Babylon Berlin“. Mit dem Kunstprojekt „How to Hear A Painting“ 2020 und dem Album dazu „hatten wir erstmals das Gefühl, das sind WOB“, sagt Friedel.

Alle Höhen und Tiefen erlebt

Über die Jahre hat sich Schlagzeuger Christian zum Experten für Artwork und das optische Erscheinungsbild von WOB entwickelt, Uwe zum Produzenten und Organisator. In der Zwangspause von der Bühne haben WOB ein Album zu „Macbeth“ aufgenommen. Die Proben zu dem Shakespeare-Klassiker in Regie von Friedel und mit der Band waren kurz vor der Premiere abgebrochen worden. „Die Corona-Krise hat uns gebremst, als es richtig losgehen sollte“, sagt der Promi unter Gleichen.

Die Höhen und Tiefen haben die Jungs zusammengeschweißt, zu Freunden gemacht. Aktuell entsteht Musik für „Dorian“ nach dem Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ in der Regie von Robert Wilson, in Koproduktion mit dem Düsseldorfer Schauspiel. „Mit Wilson zu arbeiten, ist eine große Ehre“, sagt Friedel, der die Titelrolle spielt.

2022 will die Band ihr Kunstprojekt wieder zeigen, „und damit vielleicht auch touren“. Die Verbindung zum Theater, das Alleinstellungsmerkmal der großteils projektbezogenen Indiepop-Band mit Bandbreite von kunstübergreifenden und speziellen Sachen bis zu Mainstream, soll ausgebaut werden. „Auf den ersten Blick ist das nicht sexy oder modern, aber dann merkt man, dass es zeitlos ist, und damit doch immer modern“, sagt Friedel, für den sich mit WOB ein Traum erfüllte. „Ich freue mich auf die nächsten zehn Jahre.“

Woods of Birnam spielt im Alten Schlachthof Dresden (30. Oktober 20 Uhr), im Neuen Schauspiel Leipzig (2. November 19.30 Uhr, im Nachtasyl des Thalia Hamburg (3. November 20.30 Uhr), im Roten Salon der Berliner Volksbühne (4. November 19.30 Uhr), im Kulturzentrum Mon Ami in Weimar (7. November 19.30 Uhr) und im Zakk Düsseldorf (8. November 19.30 Uhr) dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare