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Lady Wray: „Piece Of Me“ – Von Natur aus jederzeit entspannt

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Von: Stefan Michalzik

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Lady Wray. Foto: Sesse Lind
Lady Wray. © Sesse Lind

Auf ihrem Album „Piece Of Me“ bietet Lady Wray hohe Kunst, als wäre es eine Selbstverständlichkeit.

Es ist ein Quantensprung, der Lady Wray in ihrer Entwicklung mit dem neuen Album „Piece Of Me“ geglückt ist. Sie schöpft darauf aus der Tradition von Soul und Funk, zugleich gibt sie ihrer Musik einen markant zeitgenössischen Zuschnitt.

Ihren Weg begonnen hatte die heute in Virginia lebende Kalifornierin Nicole Monique Wray Ende der neunziger Jahre als Sängerin im Hintergrund auf dem Debütalbum von Missy Elliott. Unter deren Obhut und mit der Beteiligung unter anderem von Timbaland entstand das noch unter dem Namen Nicole veröffentlichte Debütalbum „Make It Hot“ (1998), ein Erfolg in den US-Charts.

Es folgte eine Reihe von Gastauftritten bei prominenten Musikern wie dem Rapper Ol’ Dirty Bastard vom Wu-Tang Clan, Big Boi von OutKast bis hin zu Blackroc, dem Nebenprojekt der bluesrockenden Black Keys – dann trat Wray schließlich mit dem grandiosen Retrosoulduo Lady in Erscheinung. Das Schwelgen im mehr oder weniger lupenreinen Sound vergangener Jahrzehnte allein aber genügte ihr schon bald nicht mehr. Nicht lange nach Erscheinen von Ladys Debütalbum (2003) begann sie an ihrem eigenen Popentwurf zu feilen.

Eine Synthese von Retrosoul mit den Beats von Hip-Hop und R&B: Was sich bereits auf dem Soloalbum „Queen Alone“ abzeichnete, hat die 42-Jährige mit „Piece Of Me“ auf den neusten Stand gebracht. Produzent des Meisterwerks ist wieder der New Yorker Leon Michels, der sich mit dem tarantinofähigen Sound seiner Band El Michels Affair einen Namen machte.

Das Album

Lady Wray: Piece Of Me. Big Crown Records/Cargo/375 Media.

Liebe ohne Schmacht

In den Texten präsentiert sich sozusagen eine „Natural Woman“ im Sinne von Carole Kings Song, dem Aretha Franklin zu Ruhm verhalf. Fast alle Nummern drehen sich um Freud und Leid in der Liebe – Songwriterpop, der das Schmachten der Girlgroups hinter sich gelassen hat zugunsten eines selbstbewussten Umgangs mit der Emotionalität.

„I need a hand/I need some-one to lean on“, heißt es in „Where Were You“. Der Sound eines Cembalos taucht auf, wie es in den ausgebufften Arrangements der Popmusik in den Sechzigern von den Righteous Brothers über die Yardbirds bis zu den Beatles und Doors gebräuchlich war. Mit solchen Finessen aus der Ära der analogen Produktion sind die Arrangements gespickt. In „Beauty In the Fire“ ist die Rede von ruhelosen schwarzen Familien, die ihr Stück vom Kuchen haben wollen. Sehr effektvoll der sparsame Umgang mit dem gospelgeprägten Background-Chor.

Im Titelsong, einer groovigen Ballade, die schon 2019 als Single herauskam, taucht eine jazzaffine Flöte auf. Dieses Stück, kolportiert die Plattenfirma, soll in nur einem Take aufgenommen worden sein – wie auch das gleich darauf folgende „Come On In“. Zum Zeitpunkt der Aufnahme beider Nummern war Wray hochschwanger.

In „Melody“, gewidmet ihrer kleinen Tochter, wird ihre facettenreich phrasierende Stimme, abgesehen von den Choristinnen, einzig von einer akustischen Gitarre begleitet. Einige der andern Titel sind mitgeprägt von einer jazzfunkigen Gitarre George Benson.

Der jederzeit entspannt wirkende gesangliche Auftritt wie auch die instrumentalen Arrangements – alles wirkt, als könnte es einzig so und nicht anders sein.

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