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Manfred Eicher mit Jan Garbarek in Paris.

50 Jahre ECM

Label ECM: Dimensionen der Freiheit

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Vor 50 Jahren veröffentlichte das Münchner Jazz- und Neue-Musik-Label EMC seine erste Schallplatte.

Tonträger hießen noch Schallplatten, damals, als Manfred Eicher und Karl Egger im Jahre 1969 in München die Edition of Contemporary Music gründeten, die seit langem unter der prägnanten Abkürzung ECM einer der international bedeutendsten Hersteller von Tonträgern im Bereich des zeitgenössischen Jazz und der Neuen Musik ist.

Die erste ECM-Langspielplatte trug den Titel „Free at Last“, wurde Ende November 1969 eingespielt vom Mal Waldron Trio im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg und kam im Januar 1970 auf dem Markt. Die im Titel programmatisch behauptete Freiheit hatte musikalische und politische Dimensionen: Einerseits ließ das Trio überkommene Regelwerke des Jazz hinter sich; zugleich nahm es Bezug auf einen Satz aus Martin Luther Kings legendärer „Dream“-Rede: „Thank God almighty we’re free at last!“ Die erste Auflage von 500 Exemplaren war schnell vergriffen.

Jazz war für ECM nicht eine primär afroamerikanische Musik, sondern ein transatlantisches Projekt. Im September 1970 entstand in Oslo „Afric Pepperbird“ mit dem Quartett des jungen norwegischen Saxofonisten Jan Garbarek. Manfred Eicher war Produzent, Jan Erik Kongshaug Toningenieur – das war der Auftakt einer langen, prägenden Zusammenarbeit. Vor wenigen Tagen ist Jan Erik Kongshaug im Alter von 75 Jahren gestorben.

Bei ECM stand nie die Produktion von Tonträgern im Mittelpunkt, sondern das, was auf Tonträgern verbreitet wird: Musik. Manfred Eicher sagt: „Wir veröffentlichen die Musik und die Künstler, die wir für wichtig halten, die wir mögen und bewundern. Wollte man so etwas wie einen Kern unserer Arbeit benennen, so käme dieser der kammermusikalischen Interaktion sehr nahe – aber auch das ist nicht die ganze Geschichte.“

Die Produktionen der ECM unternahmen eine Hinwendung zum Parameter Klang, die im Jazz-Kontext der 1970er Jahre nicht immer dem Zeitgeist entsprach. Eicher erinnert sich: „In der Jazzkritik der siebziger Jahre war es eine Zeit lang Mode, sich vehement über jede Andeutung des Schönen zu mokieren. Joachim-Ernst Berendt etwa nahm in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund, was allerdings nicht immer besonders viel Sinn ergab.“

Bis heute repräsentiert ECM ein synästhetisches Konzept von hoher Stimmigkeit, das die Sorgfalt bei der Gestaltung des Klangs und der LP-Cover, später der Booklets, gleichermaßen prägte. „Als Grundprinzip unserer Produktionen war Klarheit stets wichtiger als Schönheit.“, sagt Manfred Eicher. „Oder, wie es Paul Valéry sagt: ,Was gibt es Geheimnisvolleres als die Klarheit?‘“

ECM verschloss sich nicht aktuellen Entwicklungen wie der Elektrifizierung des Jazz und seiner Inspiration durch die aktuelle Rock-Musik und setzte schon während des ersten halben Jahrzehnts Wegmarken. Wenig später, im Jahre 1978 erschien Steve Reichs „Music for 18 Musicians“: Musik, die von Jazz, Pop, zeitgenössischer E-Musik und folkloristischer Idiomatik gleich weit entfernt war und zum Vorboten der zweiten Produkt-Schiene New Series wurde.

Eicher sagt rückblickend: „Die New Series war meiner Ansicht nach eine wirklich neue Komponente unserer Arbeit. Wir hatten vorher bereits zeitgenössische Komponisten aufgenommen, unter ihnen Meredith Monk, John Adams und Steve Reich, aber nachdem ich 1982 Arvo Pärt und seine Musik kennengelernt habe, schien diese nach einer eigenen Plattform zu verlangen. Sie war schlicht auffallend anders. Pärts konzentrierte Musik mit reduzierten Mitteln war weit mehr als Minimalismus. Paul Griffiths hat einmal von ihrer ,hart erarbeiteten Schlichtheit‘ gesprochen – eine gute Beschreibung für eine Musik, die moderne Elemente enthielt, neu und alt zugleich klang, gleichzeitig aber ganz und gar persönlich war. Die New Series entwickelte sich kontinuierlich zu einem immer breiteren Forum für notierte Musik, von Perotin über Kurtág, Schubert bis Lachenmann und Holliger. Bei ECM konzentrierten wir uns derweil überwiegend auf improvisierte Musik. Auf diese Weise ergänzten sich die beiden Stränge fortlaufend.“

Nach wie vor ist Manfred Eicher die alles überragende Persönlichkeit bei ECM. In Gesprächen mit ECM-Künstlern fällt zuweilen, ohne ironische Beimengung, das Wort vom Produzenten-Genie. Leider finden sich für Genies selten würdige Nachfolger.

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