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Sie reicht sich selbst nicht mehr das Wasser: Kylie Minogue.

Neue Alben

Kylie und Lisa lassen tanzen

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"Golden" und "Deeper", mittelmäßig interessante neue Alben zweier Sängerinnen, die mal sehr erfolgreich waren.

Haben wir eigentlich schon über Kylies neues Album gesprochen? Und über Lisas neues Album? Nein! Höchste Zeit. 

Mit Kylie ist hier die Australierin Kylie Minogue gemeint. Man muss das dazuschreiben, weil inzwischen Hinz und Kunz den Vornamen verwenden und der Ur-Kylie die Hoheit streitig machen, allen voran Kylie Jenner, 20-jähriges Fotomodell aus dem US-amerikanischen Realitätsfernsehen. Sie ließ die fünf Buchstaben gar urheberrechtlich schützen. Was die 49-jährige Sängerin und – wie sagt man, Namenscousine? – schon vor 30 Jahren getan hatte. 

Die Sache sei aber beigelegt, ließen die beiden Frauen bereits im vorigen Jahr ausrichten. Dermaßen beigelegt, dass Kylie Nummer 1 auf ihrem neuen, im April erschienenen Album „Golden“ mehr denn je nur noch Kylie heißt. Man muss schon sehr genau schauen, im Pressematerial und auf dem CD-Cover, um irgendwo noch vergleichen zu können, ob man den Nachnamen richtig geschrieben hat. 

Kylies neues Album sei ein Country-Album, stand in einer Reihe von Rezensionen zu lesen. Das stimmt nicht. Es sind Country-Nummern drauf auf dem Langspieler, sicher, der typische Zweivierteltakt kommt gleich im Opener „Dancing“ vor, in „A Lifetime To Repair“ plinkert das Banjo, Steel- und Westerngitarren da und dort – na gut, irgendwie ist es schon auch ein Country-Album. Es wurde aufgenommen in Nashville, Tennessee, und da kannst du machen, was du willst, es schmuggelt sich immer so eine Country-Attitüde hinein in die Musik. 

Aber hauptsächlich ist es ein Pop-Album, wie es alle Kylie-Minogue-Alben waren. Es ist diesmal ein Pop-Album ohne die fetten Disco-Beats, die die Blondine um die Jahrtausendwende zum Weltstar machten. „Can’t Get You Out Of My Head“ war der Tanzsong einer halben Club-Generation, der sexy Videoclip dazu stilbildend, das Remix in Kombination mit New Orders „Blue Monday“ ein Volltreffer. Kylies schauspielerisches Talent machte damals die etwas dünne Stimme locker wett. 2002 setzte sie das atmosphärische „In Your Eyes“ obendrauf. Und viele schwören bis heute auf „Kids“, ein grandioses, enorm kraftvolles Duett mit Robbie Williams aus dem Jahr 2000. 

Daran konnte sie später nicht mehr anknüpfen, und auch das aktuelle Werk reicht der Millenniums-Kylie nicht das Wasser. Ein schönes Album mit netten Melodien ist es geworden, mit schönen Fotos natürlich auch. Ordentlich produziert und mit riesigem Aufwand beworben. „Dancing“ und auch „Raining Glitter“ haben das Potenzial, die Leute auf die Tanzfläche zu locken, aber es bleibt das neue Album einer Künstlerin, die mal sehr erfolgreich war. 

Lisa Stansfield präsentiert „Deeper“

Das gilt auch für „Deeper“, die ebenfalls im April veröffentlichte jüngste CD von Lisa. Und hier kommen wir ohne den Nachnamen überhaupt nicht mehr aus: Lisa Stansfield. 1989 mit Hits wie „People Hold On“ und „All Around The World“ berühmt geworden, blieb die soulige Britin über die Jahre am Ball, landete auch immer wieder mal einen Nummer-1-Hit – allerdings nur in den US-Dance-Charts. Ansonsten wurden ihre Alben hierzulande freundlich zur Kenntnis genommen. 

„Deeper“ ist jetzt aber auf einem guten Weg und europaweit unter den Top 25 zu finden. Es sei „das perfekte Album, um sich an einem Freitagabend für eine wilde Ausgehnacht vorzubereiten“, charakterisiert die 51-jährige Stansfield selbst, „aber gleichzeitig ist es auch der ideale Soundtrack, um am Samstagmorgen langsam wieder ins echte Leben zurückzukehren“. Klingt plausibel, besonders für jene, die zwischen den beiden Verwendungszwecken längst keine wilde Ausgehnacht mehr hinter sich bringen, sondern im Bett liegen und schlafen. Was ebenfalls ganz gut funktioniert: die Lieder „Everything“ oder „Deeper“ zum Kochen in der Küche auflegen, besonders, wenn es eine relativ enge Küche ist und man aneinander vorbeitänzeln muss, den Spargelschäler in der einen, das Weinglas in der anderen Hand.

Lisa Stansfield hatte schon immer eine bemerkenswerte Stimme, die sie leider mit zu viel elektronischer Begleitmusik ins Rennen schickt. Das unterscheidet die beiden Sängerinnen zumindest auf ihren am gleichen Tag erschienenen 2018er Alben. 

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