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Krzysztof Penderecki während eines Auftritts 2011 in Peking.
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Krzysztof Penderecki während eines Auftritts 2011 in Peking.

Musik

Krzysztof Penderecki: Getragener Duktus

  • VonBernhard Uske
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Zum Tod des Komponisten Krzysztof Penderecki, der im Alter von 87 Jahren gestorben ist.

Er war ein Prototyp jener Künstler, die im Feuilleton keine, dafür in der allgemeinen Wertschätzung die beste Presse haben: Krzysztof Penderecki. Ein am 28. November 1933 im polnischen Debrica bei Krakau geborener Komponist, der als 27-Jähriger mit ersten, geräuschhaften, klangbandartigen Werken wie „Threnos“ oder „Anaklasis“ Furore machte in der avantgardistischen Öffentlichkeit. Dunkle, kompakte, sirenenförmige, langsame Klangwalzen. 1960 hatte Hans Rosbaud mit dem Sinfonieorchester des Südwestfunks bei den Donaueschinger Musiktagen „Anaklasis“ für 42 Streichinstrumente und Schlagzeuggruppen uraufgeführt.

Es folgten noch einige ebenso formatierte Werke, mit denen die etwas später entstandenen Klangwolken-Gebilde György Ligetis eine gewisse Ähnlichkeit haben. Bald begann der schlagartig bekannt gewordene Komponist sich aber immer stärker und schließlich vollkommen in den Gestaltungsweisen der traditionellen Musik zu artikulieren „Threnos“ – ein Schlüsselwerk der Neuen Musik von 1961 hatte ursprünglich lediglich eine Zeitangabe als Titel: 8’37“ – jene Dauer des Abwurfs der Atombombe auf Hiroshima am 4. 8. 1945.

Ein markanter inhaltlicher Bezug damals schon, der sich in den umfänglichen, folgenden Werken, die oft die Grenze zwischen Oratorium und Sinfonie mit narrativer Bezüglichkeit verschwinden ließen, fortsetzte. Wobei zusehends die desaströsen Momente der Klangsprache Pendereckis in religiös bestimmten, apokalyptischen und zugleich hoffnungs- und erlösungsbezogenen Aspekten verarbeitet wurden.

Mit dem ästhetischen Roll-back stand alsbald die Frage nach der Postmoderne im Raum. Aber alles Spielerische, Spöttische und Polystilistische fehlt diesen Klanggemälden. Die Parole eines Robert Venturi „Learning from Las Vegas“ griff da überhaupt nicht, sondern schon eher diejenige Giuseppe Verdis „Zurück zu den Meistern und es wird ein Fortschritt sein“. Und das in einer mächtigen, dem Pathos nicht abgeneigten Art und Weise. Große Formbewegungen, getragener Duktus, eher hart und schwer, proklamativ und ausdrücklich.

Außerhalb der avantgardistischen Nischen hatte der mit zahlreichen Ehrenprofessuren und -doktoraten, mit nahezu allen Preisen von Rang und Namen und einer Unzahl an Orden und Ehrenzeichen Ausgestattete eigentlich alles erreicht. Mit dem „Grammy“ und dem „Cannes Classical Award“ kam noch jener Bereich hinzu, der zur weltweiten Reputation in globalisierten Zeiten entscheidend ist.

Filmmusikalische Präsenz

Groß ist die filmmusikalische Präsenz, von „Shining“ oder „Der Exorzist“ bis zu „Slutter Island“ oder „Ich liebe dich, ich liebe dich“. Dass im Bereich des populären audio-visuellen Mediums die frühen, als avantgardistisch geschätzten Formate als stimmungsreizende, horrorsteigernde Untermalung so gut funktionieren, gehört zur Ironie der Geschichte des neutönerischen Paradoxons. Gestern ist der Künstler, der auch bedeutende Opern wie „Die Teufel von Loudun“ (nach Aldous Huxley) und „Paradise Lost“ sowie „Die schwarze Maske“ hinterlassen hat, 87-jährig in Krakau gestorben.

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