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Kristian Bezuidenhout.

Alte Oper

Kristian Bezuidenhout in der Alten Oper: Beethovens Originalklang

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Ein Virtuose der schwebenden Distinktion: Kristian Bezuidenhout am Hammerklavier in der Alten Oper Frankfurt.

Das Martialische, das Heroische und Aufwühlende der Beethovenschen Musik ist entschieden bestimmt durch ein Instrument, das es zur Zeit des Komponisten gar nicht gab: dem großen Flügel mit Stahlrahmen und einer entsprechende Lautstärken generierenden Mechanik.

Das Donnernde, Grollende und scharf Herausfahrende ist wie weggewischt, wenn man die Werke auf dem Instrument spielt, das zu ihrer Entstehungszeit existierte. Das war das Hammerklavier mit Holzrahmen. Ein feiner, leicht ziehender Ton, hell, mit vielen Obertönen und kleinem Bassvolumen ist ihm eigen. Und solch ein Instrument stand beim letzten Konzert des Musikfests der Alten Oper auf dem Podium des Mozart-Saals. Gespielt von Kristian Bezuidenhout, einem ausgewiesenen Kenner und Könner der Darstellung der Klavier-Literatur auf dem ihr eigenen Instrument.

Die Neugier auf Beethovens Originalklang wurde noch gesteigert, als man auch Werke der Französischen Revolution zu hören bekommen sollte. Letztlich waren das zwei Sonaten Étienne-Nicolas Méhuls, die allerdings sechs Jahre vor dem Sturm auf die Bastille entstanden sind und den neuen „natürlichen“ Stil verkörperten, der auch am französischen Hof damals Mode war.

Reizende, bewegte, fast niedliche Klangverläufe, die Nähe zur Mannheimer Schule, zu Danzi oder Stamitz aufwiesen. Aber doch weit weg von Beethoven, der mit der d-Moll-Sonate op. 31 Nr.2 und Es-Dur-Sonate op. 31 Nr.3 sowie den c-Moll-Variationen WoO 80 vertreten war.

Gebrauchsmusik der Zeit seit 1790 mit den republikanischen Prozessionshymnen, Märschen und Rundtänzen hätte da mehr idiomatische Nähe zu mancher Motivwahl Beethovens gehabt. So wie etwa im Scherzo der Es-Dur-Sonate, wo ein Motiv und eine Bewegungsform einerseits typisch Beethoven und andererseits typisch populistisch ist. Rhythmisierte, tänzerische Liedhaftigkeit; an anderer Stelle schneidende Akkordschläge, die für das Pathetische und Autoritative bei Beethoven stehen.

Aber wie angenehm verkleinert, gelassen, ja kaum wiederzuerkennen war das auf dem Hammerklavier! Das Instrument schien eine spezifische, ziselierende, subtil proportionierende Fingerbewegung regelrecht zu erzwingen, der der 40-jährige gebürtige Südafrikaner in größtem Maß gerecht wurde. Ein Virtuose der schwebenden Distinktion und behänden Umsetzung, die alles genialisch Großmächtige und Volkstönende fernhielt.

Sollte es tatsächlich so gewesen sein, dass es eher der Stahlrahmen der späteren bürgerlichen Konzertkultur war, der den Eindruck von revolutionärem Furor und dreinschlagender Verve erzeugte? Das wäre eine Ironie der Geschichte in Form ihres Instrumentenbaus.

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