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Ganz in Grün: Thom York.

Thom Yorke

Thom Yorke stellt „Anima“ vor

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Aber was heißt hier schon Gitarre: Thom Yorke in Frankfurt.

Ein faszinierender Abend, Nummer für Nummer, bestechend im enormen Reichtum der Formen in Ton und Bild. Drei mit elektronischen Gerätschaften bestückte Pulte, etwas abseits davon ein Keyboard: Die Aufstellung erinnert ein wenig an Kraftwerk. Ob mit seiner Band Radiohead oder unter eigenem Namen: Beständig bringt Thom Yorke seine Musik mit visuellen Künsten zusammen, immer wieder haben Radiohead namhafte Regisseure wie Paul Thomas Anderson, Jonathan Glazer und Michael Gondry für ihre Videos engagiert.

Die Konzertreise zum Erscheinen von „Anima“, seinem dritten Soloalbum, in deren Zuge Thom Yorke in der gut besuchten Frankfurter Jahrhunderthalle gastierte, bestreitet der fünfzigjährige Engländer mit einem Trio: Nigel Godrich, der Hausproduzent von Radiohead, wechselt wie Yorke selber zwischen dem elektronischen Instrumentarium und dem Bass. Dazu kommt der in Berlin lebende holländische Videografiker Tarik Barri.

Der vertikale Farbstreifen, der sich zu Beginn auf der halbrunden Projektionswand im Hintergrund der Jahrhunderthalle auftut, erinnert zunächst an den Schlitz in einem Vorhang. Ständig wandeln sich Form und Farbe, derart, dass es den Blick bindet wie eine Lavalampe. Die bewegten Bilder aus Farbfeldern, tanzenden Lichtern, Spiralformen und anderem sind fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute der zwei Stunden dauernden Show.

Ein unendlich schöner Abend

Es geht um die Idee vom Gesamtkunstwerk. Ein jeder Teil behauptet sein eigenes Recht in der Korrespondenz von Musik und Bild. Die Musik changiert von Nummer zu Nummer zwischen Ambient, Post-House und -Techno und Anklängen an den TripHop, mitunter auch krautigen Momenten. Wenn auch die Grenze zum „Track“ überschritten wird, handelt es sich gleichwohl um Songs. Vorgetragen mit Thom Yorkes charakteristischer Singsangstimme, die immer wieder in die Falsettlage wechselt. Ein, zwei mal gibt es ein Gitarrenriff. Aber was heißt hier schon Gitarre: es ist ein Bass, den Yorke gitarristisch spielt.

Vorherrschend sind in diesem Konzert Stimmungen einer getragenen Melancholie, mal auch geht es zu wie auf dem Dancefloor, mit dem vertrauten exaltiert ausschwingenden Tanzstil des Duttträgers.

Es pluckert und knispelt, Thom Yorke singt im monströsen Loop-Chor mit sich selber; „Dawn Chorus“ dagegen ist melancholisches Klavierlied, gespielt allein am Keyboard. Auf „Anima“ beschäftigt sich Yorke mit dem psychoanalytischen Instrumentarium von C. G. Jung mit Blick auf die vom Internet geprägte Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Von den Texten ist allerdings kaum ein Wort zu verstehen. Das ist äußerst merkwürdig für einen Mann mit Botschaft, und gleichwohl kaum mehr als ein Schönheitsfehler. Das Repertoire besteht über die Novitäten von „Anima“ und eine retrospektive Auswahl hinaus aus zwei Nummern von Yorkes im vergangenen Jahr erschienenem Soundtrack zu dem Horrorfilm „Susperia“ und zwei von Thom Yorkes zweiter Band Atoms for Peace.

Ein Abend, der einen in seiner unendlichen Schönheit in den Bann zu schlagen vermag. Ohne dass einem etwas übel aufstoßen würde.

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