Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jazz & Funk

Konzert Philipp Boss & Not Machine: Sie pfeifen aufs Reinheitsgebot

  • VonStefan Michalzik
    schließen

Philipp Boss und Not Machine im Stream der Frankfurter Milchsackfabrik

Es handelt sich um ein Treffen musikalisch verwandter Gemüter, die mit unterschiedlichen Mitteln arbeiten. Hier ein instrumentales Trio mit Schlagzeug, elektrifiziertem Bass und Synthesizern. Auf der anderen Seite ein Elektronikmusiker hinter seinem Pult. Die repetitive Grundstruktur ist der gemeinsame Faktor in der Musik von Not Machine und Philipp Boss, die in der Jazzreihe in der Frankfurter Milchsackfabrik ein Streamingkonzert gaben.

Jede Seite spielte im mehrfachen Wechsel für sich, teils mit kurzen gleitenden Übergängen eines gemeinsamen Musizierens. Die Dramaturgie mit einer weitreichend durchlaufenden Musik und ganz wenigen Ansagen kommt der von DJ-Sets ziemlich nahe.

Er ist ein Knöpfchendreher

Philipp Boss, 27 Jahre alt und Gründer des auf Vinyl und Kassetten veröffentlichenden Elektronik-Labels „Einfach Hören“, bringt entspannte Technohousebeats hervor, mit dem klassischen Grundmuster eines durchgehenden Beats und wechselnder Loop-Applikationen. Er ist der lässig kopfnickende „Knöpfchendreher“. Alte Schule, aber nicht altbacken, so wirkt diese 80er-, 90er-Jahre-Retro-Musik. Sie basiert auf der Belesenheit in den Klassikern des Detroit Techno, greift besonders auch auf den Funk zurück. Als Jazzmusiker dürfte sich auch Boss selbst kaum einstufen. Aber das schadet nichts.

Der Funk ist ein prägender Teil der musikalischen Texturen auch bei Not Machine. Das Würzburger Trio mit Jakob Seeber an Schlagzeug und Sampler, Peter Puskas, E-Bass und Synthesizer, sowie Felix Schneider-Restschikow an Synthesizer und Sampler macht eine „handgemachte“ Clubmusik, wie sie das selbst treffend nennen.

Dies ohne Reinheitsgebot, doch es werden eben beispielsweise die Beats, die sich zwischen House und den hibbeligen Rhythmen des Drum’n’Bass bewegen, auf das Schlagzeug übertragen. Früh hat das etwa Philippe Garcia in der Band des französischen Trompeters Erik Truffaz getan. Immer wieder tauchen geloopte Sprachsamples auf und manchmal auch Elemente von Dub. Charakteristisch, wenngleich nicht durchgängig, sondern immer wieder abgelöst von technoiden Synthieklängen, ist der Sound des E-Pianos.

Von einem klassischen Jazzverständnis ist das natürlich weit entfernt, im Übrigen erscheint dem Höreindruck nach vieles kompositorisch festgelegt zu sein, mit einem eher bescheidenen Maß an Improvisation. Und doch macht es in einer bemerkenswerten Paradoxie den Eindruck eines Jams.

Milchsackfabrik, Frankfurt: Das Video des Konzerts ist weiterhin abrufbar über Vimeo.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare