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Dass sie nicht nur eine wächserne Puppe ist, bewies die Pianisin Lise de la Salle beim Konzert in Frankfurt.

Alte Oper Frankfurt

Mit Kontur gegen das Wachs

Lise de la Salle ist keineswegs die wächserne Puppe mit künstlich verwehter Frisur, die auf CD-Covern und PR-Fotos zu sehen ist. Das bewies sie beim Konzert in der Frankfurter Alten Oper. Von Stefan Schickhaus

Von Stefan Schickhaus

Lise de la Salle ist keineswegs die wächserne Puppe mit künstlich verwehter Frisur, die auf CD-Covern und PR-Fotos zu sehen ist. Als Solistin der Jungen Deutschen Philharmonie in der Alten Oper Frankfurt spielte die 21-jährige Pianistin Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Paganini vielmehr mit ausgesprochen starker Kontur, mit Klarheit und einem ungemein prägnanten Anschlag.

Und sie rückte ausnahmsweise auch von ihrem Credo ab, dem sie oft genug schon gefolgt ist, das hier aber fehl am Platz gewesen wäre: Sie wolle "die Zuhörer vergessen lassen, dass das Klavier ein perkussives Instrument ist. Ich will damit singen". Im Gegenteil: Ihren Rachmaninow nahm die Pariserin hart und brillant, ein völlig überzeugender Umgang mit dieser hochvirtuosen Materie.

"Eigentlich bin ich Russin, zumindest zu 75 Prozent. Drei meiner vier Großeltern sind russischer Herkunft", hat Lise de la Salle einmal erklärt. Damit war sie bei diesem 1822-Neujahrkonzert in guter Gesellschaft. Denn das Programm war zu 100 Prozent russisch: Zur Paganini-Rhapsodie hatte Dirigent Michael Sanderling mit dem Orchester fünf Sätze aus Prokofjews "Cinderella"-Ballett und die "Scheherazade" von Rimsky-Korsakow einstudiert.

Mit Jugendarbeit kennt Sanderling sich aus, er betreut die Deutsche Streicherphilharmonie, eines der ganz jungen Nachwuchsorchester. Doch die Junge Deutsche Philharmonie ist kaum als echtes Jugendorchester zu begreifen, eher das jüngste der besten Orchester Deutschlands. Und geht man mit diesem Anspruch an den traditionell von der 1822-Stiftung geförderten Januar-Auftritt heran, bleibt für die Prokofiew-Suite höchstes Lob - der leicht schrille, kühle, Präzision erfordernde Ton dieser Musik wurde ausnehmend gut getroffen.

Gemischter waren die Eindrücke bei der "Scheherazade", wegen ihrer zahlreichen offenen Passagen und filigranen Instrumentierung ein echtes Prüfungsstück für jedes Orchester. Hier glückte nicht alles: Sehr wohl die ausgedehnten Konzertmeister-Soli und die berückend schön gespielten Solo-Klarinetten-Partien; doch agierten andere Holzbläser weniger ausgeformt. Und namentlich im Finale trat das Tutti in einer Massivität auf, dass der brillante Orchester-Ausleuchter Rimsky-Korsakow dahinter zu verschwinden drohte.

Als Zugabe kam passend ein orientalischer Strauß-Walzer, und an das Motto "Neujahrskonzert" erinnerte das zum Schlussakkord herabschwebende Banner mit dem Schriftzug "Willkommen im Neuen Jahr".

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