Zweite Klangbiennale im HR

Kontinentale Signale

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Während andernorts Komponisten zu Kontinenten erklärt und entdeckt werden, titulierte die zweite Klangbiennale des Hessischen Rundfunks Bruno Maderna als Satelliten. Von Hans-Jürgen Linke

Während andernorts Komponisten zu Kontinenten erklärt und entdeckt werden, titulierte die zweite Klangbiennale des Hessischen Rundfunks Bruno Maderna als Satelliten. Es geht also nicht darum ihn auszumessen, sondern zu bestimmen, welche Signale er empfangen hat und wie weit sein Ausstrahlungsradius reicht. So entsteht eine gegenseitige Illumination zwischen Maderna und anderen Komponisten, ein Kontinente umspannendes Netz von Anregungen.

Die aufführungspraktische Seite der Klangbiennale lag in den Händen der beiden Klangkörper des Hessischen Rundfunks, des Sinfonieorchesters und der Bigband, dazu etlicher Solisten und Verstärkungen sowie den Dirigenten David Robert Coleman und Arturo Tamayo. Bemerkenswert die Leistungsfähigkeit des Orchesters, das einen erheblichen Erfahrungsschatz in der Aufführung zeitgenössischer Musik mitbringt und dessen Mitglieder auch in verschiedenen Kammermusik-Ensembles und solistisch mit großer Kompetenz tätig sind.

Ebenso bemerkenswert ist die HR-Bigband, die unter der Leitung ihres Chefdirigenten Örjan Fahlström ein Konzert mit Neuer Musik gestaltete und dabei unter anderem mit Hans-Joachim Hespos´ "ips - Anstöße für Bigband" eine großartige Komposition aus der Uraufführungs-Taufe hob: Ein fantasiereich und präzise gearbeitetes Werk voller offener Momente, das die Klangmöglichkeiten einer Bigband affirmativ aufnimmt und in neue Regionen voran treibt.

Auch auf die Gefahr großer Ungerechtigkeit muss man als das zweite große Stück des Festivals Thomas Larchers 2008 in London uraufgeführte "Nacht der Verlorenen" nach Texten von Ingeborg Bachmann bezeichnen. Der Bariton Matthias Goerne gab dem Stück unabweisbare Intimität und Präsenz, und das Orchester verlieh der halsbrecherischen Partitur eine tiefgründige Ausstrahlung, deren Quellen bis zu Madernas danach gespieltem Stück dieses Titels zurückreichten.

Die 1969 in Darmstadt im Auftrag der Esoc entstandene und gewissermaßen titelgebende Komposition "Serenata per un satelite" war auf dem Festival dreimal zu hören, einmal vom Orchester, einmal vom Bärmann-Trio, einmal von der Bigband, und es war jedes Mal ein anderes Stück. Und wenn Madernas Wirkung im HR-Sendesaal hör- und spürbar war, dann nicht nur in den Kompositionen, die Elemente seiner Arbeit aufnahmen und weiterentwickelten, sondern vor allem in der Haltung der aufführenden Musiker, denen Maderna einen größeren Anteil an der künstlerischen Verantwortung für die Musik zu geben stets bestrebt war.

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