+
King Princess im Sommer in New York.

Neue CDs

Was kommt, und wie es werden soll

  • schließen

Neue Tonträger für den Herbst: vier sehr weibliche Stimmen und eine sehr vertraute.

Aus New York.  Natürlich gibt es nur noch blöde neue Musik, natürlich hat auch jedes neue Album ein total blödes Cover – und dann steckt in diesem besonders blöden Cover auf einmal eine Sängerin, die gar nicht mehr aus dem CD-Spieler und auch nicht aus dem Kopf raus will. King Princess, ein komischer Künstlerinnenname obendrein, aber dieses Album ist so wunderbar, so vielseitig, so gefühlvoll und so originell, es ist eine helle Freude. Das Debüt der 20-jährigen New Yorkerin, die auch schon angemessen als „Queer Icon“ gefeiert wird, hat alles, was gute Unterhaltungsmusik braucht. Mikaela Straus heißt die Sängerin und Multi-Instrumentalistin im wahren Leben, und wir werden hoffentlich noch viel von ihr hören, Freches, Romantisches mit einer Stimme, die irgendwie an sämtliche herausragenden Sängerinnen vor ihr erinnert.
King Princess: Cheap Queen. Sony Music.

Aus München.  Wenn Konstantin Wecker auf der Bühne singt, dann singt er eigentlich weniger als dass er spricht. Das ist sehr gut so, denn er sagt derart schlaue Sachen, dass man ihm stundenlang zuhören könnte. Ob er gegen die „Weltverschmutzungsgesellschaft“ wettert oder von seiner Mama erzählt oder vom Mond. Oder wenn er ruft: „Zeig’s ihnen, Greta – die Welt muss weiblich werden!“ Man kann ihm aber natürlich auch stundenlang beim Singen zuhören. Das tut er mit 72 genauso gut wie eh und je, wie dieses gelungene und gut produzierte Live-Album mit erprobten und neuen Liedern beweist. Das Zusammenspiel mit dem topfitten Orchester: wie aus einem Guss. Sie sind noch das ganze Jahr zusammen auf Tournee, zum Beispiel am 4.11. in Düsseldorf und am 30.12. in Mainz.
Konstantin Wecker und die Bayerische Philharmonie: Weltenbrand. Sturm & Klang.

Aus Straubing. Im Februar trat sie beim Vorentscheid zum European Song Contest an, ganz in Rot. Jetzt kommt ihr neues Album, ziemlich komplementär in Schrillgrün. Das passt, denn auch die Musik der Elisabeth Brüchner, die sich Lilly Among Clouds nennt, Lilly in den Wolken, ist ja oft ein Gegenentwurf zum Gängigen. Inhaltlich singt sie nicht nur, aber auch gegen die Klimakrise an, sie lässt sich schöne Sounds und Gesangslinien einfallen, auch ihr ESC-Song „Surprise“ ist auf dem zweiten Album der 30-jährigen Bayerin, die so gar nicht bayerisch klingt. Am 17.11. singt sie in der neuen Frankfurter Raumfabrik.
Lilly Among Clouds: Green Flash. Pias/Rough Trade.

Aus Ravensburg.  Nicht sehr komplementär, dafür so vertraut und warm singt Lotte, die 24-jährige Schwäbin, die wie Lilly zwei Jahre nach dem Debüt das zweite Langspielwerk herausbringt. Die Lieder der Charlotte Rezbach mit deutschen Texten sind direkt, sie handeln ganz viel von Abschied und vom Trotzdem-nah-Bleiben, jedenfalls von der Liebe, und man hört ihr sehr gern dabei zu. Im Duett mit Max Giesinger hatte Lotte im Spätsommer den Hit „Auf das was da noch kommt“, und wäre gerade Olympia oder Fußball-WM gewesen, hätte es an dem Lied als Fernsehsporthymne keinen Weg vorbei gegeben.
Lotte: Glück. Columbia/Sony.

Aus El Paso.  Ihre Lieder sollen sich wie eine Romanze anfühlen, sagen die Cigarettes After Sex. Das könnte hinhauen. Wer sie zum ersten Mal hört, wird allerdings erst mal nach einer ätherischen Sängerin suchen, sie nicht finden und sich dann darüber wundern, dass es tatsächlich dieser vollbärtige Mann ist, Greg Gonzalez, der da singt. Die Lieder des 2008 gegründeten texanischen Quartetts sind zarter als After Eight, und sie werden im Internet gestreamt wie sonst kaum etwas. Der 2017er Hit „Nothing’s Gonna Hurt You Baby“ bringt es allein auf hundert Millionen Youtube-Klicks. Musik für die ganz privaten Stunden, sagt man da wohl. Im November auf Tour in Zürich, Wien, Berlin, Köln, Hamburg.
Cigarettes After Sex: Cry. Pias/Partisan Records.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion