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Caterina Valente in ihrer Musikshow „Unter Freunden“.
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Caterina Valente in ihrer Musikshow „Unter Freunden“.

Caterina Valente

Komm ein bisschen mit nach Italien

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Caterina Valente, die heute 90 wird, sang auch Jazz. Aber ins Gedächtnis schrieb sie sich mit Schlagern ein.

Die italienischen Momente, die in den Nachkriegsjahren zur seelischen Grundausstattung zu gehören schienen, musste Caterina Valente nicht künstlich erzeugen. Die 1931 in Paris geborene Sängerin war ein Zirkuskind italienischer Herkunft, der Vater Akkordeonspieler, die Mutter eine der wenigen weiblichen Clowns ihrer Zeit. Die ersten Musikaufnahmen machte Caterina Valente mit 17 in Kopenhagen, dem französischen Chansonnier Gilbert Bécaud war sie bereits begegnet, als dieser noch vorsichtig das Feld seiner musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten ertastete.

Caterina Valente hatte indes keine Berührungsängste. Sie sang Jazz und war eine der Ersten, die den Bossa Nova nach Europa brachten. Die Entdeckung des südamerikanischen Liedguts verlief in Deutschland anfangs weitgehend über sie, wohl auch, weil ihre polyglotte Leichtigkeit unmittelbar einleuchtete. Ihre zahlreichen Ortswechsel in jungen Jahren hatten ihr das Abbiegen in viele Richtungen eröffnet, doch die Begegnung mit dem deutschen Jazzmusiker und Big-Band-Leader Kurt Edelhagen band sie schließlich dauerhaft an das hiesige Unterhaltungsmilieu, weil über eine ernsthaft betriebene Jazzkarriere in Deutschland ein Lebensunterhalt kaum zu bestreiten war. Caterina Valente erging es nicht anders als ihren männlichen Kollegen wie etwa Paul Kuhn, Bill Ramsey oder Roy Black, die ebenfalls als ambitionierte Jazzer begonnen hatten. Sie sei die musikalischste Frau, die er je gehört habe, hat Kurt Edelhagen später über Caterina Valente gesagt.

Das Talent war hinreichend vorhanden, aber selbst eine vorübergehende Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Trompeter Chet Baker ließ Caterina Valente nicht im Jazz reüssieren. Ihr Debütalbum „Istanbul“, das ein ruhiges Jazzalbum war, erwies sich als Kassengift. Zum Schlager musste sie von ihrem Produzenten Kurt Feltz überredet werden. Dann aber ging alles ganz schnell. Mit dem Lied „Ganz Paris träumt von der Liebe“ hatte sie bereits 1954 den bis dahin erfolgreichsten deutschen Schlager überhaupt gesungen.

Valente war 23, als sie den Deutschen dabei half, die französische Hauptstadt, die sie wenige Jahre zuvor besetzt hatten, romantisch zu verklären. Die Reiselust und -sehnsucht – weitere Valente-Hits waren „Fiesta Cubana“ und „Komm ein bisschen mit nach Italien“ – trugen auch zur Verdrängung des vorausgegangenen Zivilisationsbruchs bei. So gesehen war Valente auch eine Art Trümmerfrau, die die infantilen Abgründe des Schlagers nicht scheute. „Tschau, tschau Bambino“ und „Itsy Bitsy Teeny Weeny, Honolulu-Strand-Bikini“ waren weitere Hits, mit denen sie sich früh ins deutsche Soundgedächtnis einschrieb. Das gefiel sogar dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, das 1956 nüchtern konstatierte: „Schlager, wie die Valente sie singt, sind auch für das intellektuellste und anspruchsvollste Publikum akzeptabel.“

In der Unterhaltungswelt

Caterina Valente wurde auch für zahlreiche Filme gebucht, und als der Schlager ab Ende der 60er Jahre in der „ZDF-Hitparade“ im Dienste einer allgemeinen Sorglosigkeit seine feste Heimstatt fand, galt sie bereits als Grande Dame der Unterhaltungswelt, die auch in amerikanischen Formaten wie der „Dean Martin Show“ und der „Bing Crosby Show“ gern gesehener Gast war. Caterina Valente war denn auch die Erste, der man im deutschen Fernsehen eine sogenannte Personality-Show anbot. Am 10. September 1957 hieß es erstmals „Bonsoir, Kathrin“. Die Show lief erfolgreich bis 1964.

In den 80er Jahren trat Caterina Valente im Friedrichsstadtpalast auf, mit ihrer Adaption der amerikanischen Songs von Kurt Weill aber vermochte sie nicht beim Massenpublikum durchzudringen. Ende der 80er zog sie sich immer mehr aus dem Showgeschäft zurück, ihre Karriere beschloss sie 2003 mit einer italienischen Fernsehshow. Einen „Ehren-Bambi“ für ihr Lebenswerk erhielt sie 2005. Danach hat Caterina Valente, die heute 90 wird, sich vollends aus der Öffentlichkeit nach Lugano in die italienische Schweiz zurückgezogen.

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