Dead Can Dance

Königin am Hackbrett

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Juchzer des Wiedererkennens bei Dead Can Dance in der Alten Oper.

Um das Jahr 1980 herum hatten sich die beiden Australier Lisa Gerrard und Brendan Perry in Melbourne kennengelernt und als Dead Can Dance zusammengetan. Von London aus haben sie 1984 ihr Debütalbum gleichen Namens herausgebracht und mit ihrer manniggestaltigen Mischung aus bassdüsteren Synthie-Klanglandschaften, an die Renaissance angelehnten Chören, transglobalen ethnischen Segmenten, gälischer Folklore und dem prägenden Gebrauch einer vom Gälischen und Griechischen beeinflussten Lautsprache einen regen Anklang in der Gothicszene gefunden.

Ende der neunziger Jahre hatte das privat bereits getrennte Paar auch die mit wechselnden Musikern betriebene Band aufgelöst, die weitere Geschichte ist eine von Reunions und erneuten Auflösungen. Lisa Gerrard ist als Filmkomponistin erfolgreich, Perry betreibt seine Soloprojekte unterhalb des Radars einer breiten Wahrnehmung; gerade mal drei Monate liegt sein letztes Konzert im kleinen Frankfurter Klub Nachtleben zurück.

Fast gar nichts Neues

Die „Dionysus Tour“? Mag wohl sein, dass niemand von den Fans sich betrogen fühlte, aber mit dem neuen Album dieses Titels hatte das Konzert von Dead Can Dance in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper praktisch nichts zu tun. Ein einziger Titel von diesem ausgesprochen ansehnlichen, quasi instrumentalen Album, ansonsten ein retrospektives „Best of“ – der Jubel mit stehenden Ovationen am Ende war der Band sicher, ein Etikettenschwindel ist das gleichwohl schon.

Wie auch immer. Die Inszenierung macht seit jeher einen Teil des Zaubers von Dead Can Dance aus. Lisa Gerrard, früher hatte sie eine Zopfkrone, tritt diesmal wie eine Königin im schneeweißen Kleid mit Schleppe an das chinesische Hackbrett Yangqin. In einem spannungsvollen Gegensatz zu ihrer gewissen musikalischen Überweltlichkeit ist Richard Brendan, heute ein soignierter älterer Herr im grauen Anzug mit kahlem Schädel und edlem Graubart, seit jeher der (meist englisch singende) Crooner mit dem sonoren Bariton gewesen. Die weit ausschwingenden Melodien seiner Lieder erinnern ein wenig an The Divine Comedy, das Timbre seiner Stimme zuweilen an Jim Morrison von The Doors.

Ein paar milde Farbspiele im Hintergrund, mehr braucht es nicht an äußeren Mitteln bei diesem Konzert. „Groß“ wirkt die Musik ohnedies in jedem Moment. Für ein paar Nummern steht Lisa Gerrard allein mit einem Teil der sechs großartigen Begleitmusiker auf der Bühne, desgleichen Perry. Dead Can Dance sind seit jeher eine ausgesprochene Zwei-Komponenten-Band gewesen, das macht den Reiz wesentlich mit aus.

Es ist andächtig still im Saal, bei einigen der bekanntesten Nummern gibt es mal einen Juchzer des Wiedererkennens nach den ersten Takten. Keine Ansagen, nur ein paar warme Dankesworte von Perry am Schluss. Es macht die Größe von Dead Can Dance mit aus, dass sie mit dieser Sorte Musik immer unprätentiös geblieben sind. Und einem daher auch an diesem novitätsfern gepflegten Abend nichts unangenehm aufstößt.

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