Musikinformationszentrum

Knotenpunkt und Datenbank

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Das Musikinformationszentrum des Deutschen Musikrates arbeitet seit zehn Jahren im Dienste der Übersichtlichkeit.

In Bonn laufen immer noch die Fäden zusammen. In der Weberstraße, in einem gründerzeitlichen " Haus der Kultur" hat der Deutsche Musikrat seine Bleibe; seit zehn Jahren gehört das Musikinformationszentrum dazu.

Viele europäische Länder haben heute nationale Musikinformationszentren; sie unterscheiden sich nach Geschichte und Aufgabenbereiche, aber alle haben ihre Gemeinsamkeiten. In den skandinavischen Ländern zum Beispiel betreiben die Musikinformationszentren etwa auch aktive Öffentlichkeitsarbeit für Komponisten oder für aktuelle Musikveranstaltungen. Das geht in Deutschland nicht. Dazu ist das Musikleben zu komplex und zu reich an Traditionen und gewachsenen Institutionen. Eine neue Institution kann nicht den alten einfach ihre Arbeit wegnehmen.

Das Bonner Musikinformationszentrum ist eine unter den Fittichen des Musikrates ins Leben gerufene und seither gewachsene Institution, aber ihre Aufgaben sind eingegrenzt. "Wir sammeln und verteilen Informationen", fasst Margot Wallscheid - die offiziell immer noch als "Projektleiterin" firmiert - zusammen. Das klingt vergleichsweise wenig spektakulär; auch die Anzahl der festen Stellen im Zentrum - vier, zusammengesetzt aus drei ganzen und zwei halben - sieht nicht nach einem Institut aus, das die Welt bewegt.

Die Musikwelt allerdings schon. Wie in allen Institutionen, die mit dem Sammeln und Kanalisieren von Informationen beschäftigt sind, können wenige gut koordinierte Mitarbeiter hier vieles bewirken. Wer immer eine Frage hat zum aktuellen Musikleben in Deutschland, Fragen nach einem Komponisten, nach Musikfestivals, nach Themen und Texten, Studienbedingungen und -voraussetzungen, kann sich an das Bonner Musikinformationszentrum wenden, und erhält dort weiterführende Hinweise. Das Musikinformationszentrum fungiert nicht nur als Zentrum, sondern auch Knotenpunkt in einem Netzwerk, das mit einem hohen Maß an Kommunikation und Durchlässigkeit arbeitet. Die Kooperation mit anderen Institutionen, die sich in Spezialgebieten behaupten, gehört neben dem Sammeln und Verteilen zum selbst gesetzten Aufgabenbereich.

Informationen kommen aus dem Musikbetrieb und der Musikwirtschaft selbst und müssen verarbeitet und geordnet werden. Die Ordnung dieser Informationsverwaltung hat Margot Wallscheid ersonnen; sie findet ihren Ausdruck in einer Struktur von Themenportalen, die die institutseigene Datenbank samt einer Vielzahl von weiterführenden Links zugänglich machen. Die Datenbank ist ein Herzstück des Instituts. Ein weiteres ist die Präsenzbibliothek mit 7000 thematisch übersichtlich gegliederten Fachpublikationen und 170 Periodika.

Margot Wallscheid sieht die Aufgabe des Instituts auch darin, die Erschließungsarbeit mit reflektierenden oder zusammenfassenden Texten zu flankieren, die angeregt, in Auftrag gegeben oder dokumentiert werden. Und mit wohlbegründeter Selbstsicherheit behauptet sie, dass das komplexe deutsche Musikleben und seine Strukturen sich in diesem geordneten Konglomerat von Informationen und Informationsquellen recht verlässlich abbilde.

Neben der elektronischen gibt es auch eine ziegelsteinschwere papierne Datenbank: den alle zwei Jahre erscheinenden Musikalmanach, ein ehrfurchtgebietendes Nachschlagewerk von vorbildlicher Übersichtlichkeit.

Das Weiterreichen und Kanalisieren von Informationen ist ein ganz eigener Aufgabenbereich. Zurzeit sind es an die 2000 Anfragen pro Jahr, die das Institut erreichen. Zur Beantwortung wird auf das eigene Wissen und das eigenen Dokumentationszentrum zurückgegriffen; manchmal werden Recherchearbeiten nötig. Die Anfragen kommen etwa zur Hälfte von Profis des Musikbetriebs und betreffen häufig praktische Probleme; jede fünfte Anfrage kommt aus dem Ausland.

Organisatorische Mitarbeit am Musikbetrieb oder Öffentlichkeitsarbeit für Musiker kann und will das Institut nicht leisten. Das ist, sagt Margot Wallscheid, hier zu Lande vor allem privatwirtschaftlich organisiert. Es gibt Verlage, Tonträgerproduzenten, Agenturen und Veranstalter - der Markt hat im Laufe der Zeit vieles hervorgebracht, was recht gut funktioniert. Auch wenn vieles, wie man in Bonn durchaus nicht kühl nur zur Kenntnis nimmt, vom Markt längst nicht mehr so verlässlich erledigt wird wie eh und je.

Den Niedergang des Tonträgermarktes und dessen Folgen zum Beispiel beobachtet man hier durchaus mit Sorge. Aber jede Untergangs-Vision, wie sie in der Rezessionsökonomie rezessiver Industriezweige häufig verbreitet werden, hat ihre statistischen Hintergründe und ihre Gegenbewegungen in anderen Teilen des Betriebes. Das Informationszentrum hat es sich zur Aufgabe gemacht, so viel wie möglich Wissen bereit zu halten, und das so übersichtlich und zugänglich wie möglich. Es weiß einfach zu viel, um sich apokalyptischen Gedankengängen auszuliefern. Seine Qualitäten als Knotenpunkt in einem weltweiten Netz musikalischer Aktivitäten machen es zu einer höchst modernen Institution, die mit geringem personellem Aufwand und im Rahmen eines weiträumigen kulturellen und ökonomischen Geschehens seinen souveränen Platz erobert hat.

www.miz.org

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